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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 75

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Friedrich Hebbel und Emil Kuh
Date
1935-05-01
Page
75 (sequence 2)
Language
German
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Paul Bornstein: Friedrich Hebbel und Emil Kuh milie, für seine Fortbildung, für ein eigenes Seelenleben- Beziehungen wie diese waren möglich nur solange Kuh mit der restlosen Hingabe eines weichen, schwärmerischen Epheben Hebbel anhing; sie mußten unvollziehbar werden in dem Maße, wie Kuh, männlich heranreifend, aufs Recht der Selbstbestimmung Anspruch erhob. Vor allem von der Zeit an, da die Frau in das Leben des jungen Mannes notwendig bestimmend eintrat. Schon eine erste Jugendneigung Kuhs zu der Burgschauspielerin Zerline Gabillon hatte Hebbel schwer verstimmt. Ende 1855 aber wurde Kuh von der großen und entscheidenden Leidenschaft zu der dramatischen Sängerin Adele Ferrari ergriffen, die ihm später eine gütige und verständnisvolle Gattin wurde. Von da an machte sich auf Seiten Kuhs ein Streben nach Verselbständigung geltend, das, wenn es auch zunächst nicht an die Fundamente seiner Neigung zu Hebbel griff, doch in brieflichen Äußerungen immer wieder nachweisbar ist. Sie waren einander nicht mehr so ganz sicher; eine erste leise Entfremdung trat ein. Adele Ferrari war katholischen Glaubens. Die Liebe zu ihr stürzte Kuh in schweren Zwist mit seiner orthodoxen Familie. Um die beiden zu trennen, dringt man in Kuh, Wien zu verlassen. Ohne Abschied geht er nach Troppau ins Büro seines Oheims, der Direktor der damals noch privaten Nordbahn war. Über ein Jahr verharrt er in der Verbannung. In dieser Zeit war Hebbel sein Berater. Er besucht Kuhs Eltern und findet ein Totenhaus; er verteidigt des Sohnes Herzensrechte gegenüber der Mutter; aber er warnt diesen, er solle nicht zu rasch fertig sein mit Menschen und Dingen. Recht könne zu Unrecht werden durch die Art, wie es vertreten wird. Auf den Vorwurf, Kuh habe nicht stets pflichtgemäß an den Eltern gehandelt, erwidert dieser höchst bezeichnend, die Schuld daran trage nicht zuletzt Hebbel selber: „Bedenken Sie, daß Ihre Anforderungen an mich, durch meine schrankenlose Hingabe an Sie, solange Sie der einzige Stamm waren, um den ich mich rankte, nicht aber durch die in jenen Anforderungen liegende Berechtigung derselben, die äußerste Spitze erreicht hatten." Übrigens lief Hebbels Rat darauf hinaus: „Lavieren Sie und binden Sie sich nicht!" Kuh solle die Heraufführung vorzeitiger Entscheidung vermeiden und abwarten, ob die Zeit seine Leidenschaft als echt bestätige. Hebbels Ratschläge fruchteten wenig. Oktober 1857 gehen Kuh und Adele Ferrari gemeinsam nach Berlin. Es folgte für beide eine Zeit schwerer Sorge, ja der Not. An Gottfried Keller schreibt später Kuh, es habe in Berlin so traurig um ihn gestanden wie um den grünen Heinrich in München. Gleichwohl hat Kuh in Berlin Hebbels Interessen wahrgenommen wie nur je ein getreuer Gesandter. Hier ist nicht der Ort, über Kuhs literarische Leistungen und Fortschritte zu sprechen. Es genüge der Hinweis, daß schon 75

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