Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1935)
- Article
- Friedrich Hebbel und Emil Kuh
- Date
- 1935-05-01
- Page
- 74 (sequence 1)
- Language
- German
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Paul Bornstein: Friedrich Hebbel and Emil Kuh Die Geschichte einer Freundschaft und ihres Bruches. Im Frühjahr 1849 wurde der zwanzigjährige Emil Kuh von Deinhardstein, gewesenem Vizedirektor des Burgtheaters, nunmehrigem Herausgeber der Wiener Jahrbücher, auf dringende Birten bei Hebbel eingeführt. Er entstammte einer wohlhabenden Wiener jüdischen Familie und war eine Zeitlang im Tuchgeschäft seines Vaters tätig gewesen. Allzuviel gelernt hatte er nach eigenem Zugeständnis nicht. Ausgestattet mit zusammengerafften Bruchstücken der damaligen Wiener Schulbildung, hatte er sich seither selbst fortzuhelfen versucht. Als Enthusiast und Dilettant mochte er sich nun vom Umgang mit dem stürmisch verehrten Hebbel ein Schwelgen in ästhetischen Räuschen, eine Reihe fliegender Begeisterungen versprochen haben. Er irrte: er kam in strenge, in norddeutsche Zucht. Daß er darin aushielt, ehrt den Ernst seines Menschentums. Bedeutend war der Gewinn, den er für Lebzeiten davontrug. Kuh hat wesentliche produktive Fähigkeiten nicht besessen und ist sich im Lauf der Jahre schmerzlich darüber klar geworden. Wenn er aber einer der vornehmsten und bedeutendsten literarischen Kritiker seiner Zeit wurde, den ihre Allerbesten geistigen Umgangs würdigten, so hat er das einzig Hebbel zu verdanken. Zehn Jahre währte ungeachtet eines Altersunterschieds von fünfzehn Jahren dies seltene Freundschaftsverhältnis, das als eine Lebensnotwendigkeit Meister und Jünger dämonisch aneinander band. Nun war Hebbel bekanntlich ein Despot der Freundschaft Kuh führte diese Veranlagung auf Hebbels menschliche und künstlerische Isolierung zurück. „Wandte sich dem Einsamen eine Seele liebevoll zu, dann bemächtigte er sich ihrer mit der Gier desjenigen, der lange gedarbt hat." So schaltete und waltete er über Kuh als über ein Eigentum je nach seinen Stimmungen und Launen. Er forderte einen fast blinden Gehorsam. Alltäglich sollte Kuh die Nachmittags- und Abendstunden, in denen er nicht schuf, um ihn sein. Ausbleiben galt als Eingriff in sein Herrenrecht; Entschuldigungen wurden zurückgewiesen. Ihm nicht genehme Freunde und Bekannte durfte Kuh nicht haben. Kaum ließ er ihm Zeit für die Fa- 74