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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 61

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Frühjüdische Architektur
Date
1935-05-01
Page
61 (sequence 3)
Language
German
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Frühjüdische Architektur des Raumes von Bedeutung wurde. Die Andächtigen in den doppelten Seitenschiffen, für die deren Akustik unbefriedigend sein mußte, waren auf den in der Mitte der Tribünen stehenden Fahnenträger angewiesen, der das Zeichen zum Aussprechen des Amen zu geben hatte. (Es sei daran erinnert, daß im katholischen Kirchenbau oftmals dieselbe Schwierigkeit besteht, wegwegen die Predigtkanzel oft nachträglich im Langhaus der Kathedralen angeordnet wurde, wie im Kölner Dom.) Durch die Ausgrabung der Synagoge von Dura-Europos ist auch die Frage einer jüdischen Bildkunst vor neue Probleme gestellt worden. Dieser von Clark Hopkins, dem Professor der Yale University, vor kurzem ausgegrabene Bau zeichnet sich durch einen Freskenzyklus mit Darstellungen des Alten Testaments aus, der nicht nur für die jüdische, sondern auch für die frühchristliche Bildtradition bedeutend ist. Daß das frühe Christentum die alttestamentlichen Darstellungen neu erfunden hätte, war in der Tat eine unwahrscheinliche Annahme. Durch die Fresken von Dura- Europos, die um das Jahr 245 zu datieren sind, ist nun die Tatsache einer frühen jüdischen Bildtradition erwiesen und somit auch ihr möglicher Einfluß auf die frühchristliche Kunst erschlossen. Die im Talmud gegebene Erlaubnis, Bilder anzubringen, aber „nicht um sich vor ihnen zu neigen", erklärt sich aus der Tatsache, daß in der damals universellen Form der Spätantike auch jüdische Künstler Bildinhalte schaffen wollten und daß sich zahlreiche Gemeinden fanden, die keinen Anstoß an den Bildern nahmen. Einer strengeren Auffassung, die von Josephus, dem Geschichtsschreiber des jüdischen Krieges, vertreten wurde, steht, etwa in Rabbi Abun, eine freiere gegenüber, die die Ausschmückung mit Bildern, sofern sie nicht angebetet wurden, erlaubte. Es sei bemerkt, daß bereits im Tempel Cherubim, also Darstellungen von Engeln, auf der Lade standen und daß das „eherne Meer" von 12 Rindern getragen war. Die ursprüngliche Interpretation des Gebotes „Ihr sollt Euch kein Bildnis machen .. ■. um es anzubeten", legte also den Schwerpunkt auf das Verbot des Götzendienstes, nicht aber — wie es im früheren Mittelalter in Spanien unter dem Einfluß des Islam, in Zentraleuropa im späteren Mittelalter durch das Ghetto üblich wurde — auf grundsätzliche Bildfeindlichkeit. Die synagogale Form, besonders der Typ mit Emporen, hat im islamischen Mittelalter von Palästina nach Spanien gewirkt und ist dann im 17. Jahrhundert in Amsterdam und London fortentwickelt worden, wie sich überhaupt im Barock, selbst wenn die Synagogenerbauer Christen waren, der Einfluß der jüdischen Auftraggeber in der Bauform geltend machte. In Zentraleuropa war dagegen im Mittelalter unter der Wucht des gotischen Formwillens die synagogale Form so vernachlässigt worden, daß eine Synagoge 61

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