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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 43

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Mächte der Verweltlichung und Entgöttlichung in der jüdischen Welt
Date
1935-04-01
Page
43 (sequence 3)
Language
German
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„Durchgöttlichung" und „Entgött- Iichung" der Welt innerhalb der Typen und Epochen der israelitischen Religion dar, um sich am Schluß — noch zu aphoristisch — dem Thema der Wieder- und Neuvergöttlichung durch den Talmud zuzuwenden. Wo und wann, vor allem in welchen Lebensbezirken löst sich die Volkskultur in dem vorchristlichen Jahrtausend israelitisch - jüdischer Geschichte aus der religiösen Bindung? Und wo liegt der eigentliche Grund zur Lösung von Gott in diesen Epochen? Noch zuletzt hat Sellin in seiner eigenwilligen Israelitischen Religionsgeschichte (1933) eine vollständige Verweltlichung des vorexilischen Israel angenommen; er kam zu dem Schluß, daß das Volk, welches in den Tagen der Schriftpropheten vor uns steht, mit der alten mosaischen Gemeinde gerade noch den einen Gottesnamen gemein gehabt habe. Im übrigen sei es ein nicht nur ganz und gar religiös kanaanisiertes, sondern auch trotz aller Hüllen ganz und gar verweltlichtes Volk gewesen. So habe es mit Recht schon der Prophet Hosea gesehen (7, 8f.): Ephraim ist unter den Völkern, Es vermengt sich, Ausländer verzehren seine Kraft, Aber er merkt es nicht, Auch sein Haar ist ihm grau geworden, Aber er merkt es nicht. Die Verweltlichung infolge des Königtums, das Aufhören des „heiligen Krieges", wie überhaupt das Aufihören ausschließlich religiöser Beurteilung und unmittelbar göttlicher Leitung aller Lebensverhältnisse, auch der Rechtsprechung, Verwaltung und sozialen Gliederung, all das ist schon früher, zuletzt von Buber und Sellin berührt worden. Wendel geht ganz systematisch, mit den bekannten Mitteln der alttestamentlichen Theologie protestantischer Prägung, aber immer überlegt und überlegen vor. Sein Hauptinteresse gilt den sechs großen Säkularisierungsvorgängen in der israelitisch-jüdischen Religionsgeschichte: der dynastischen, der technisch-merkatorischen, der kapitalistischen, der klerikalen Säkularisierung, endlich der empiristisch-reflektorischen (gemeint sind Erfahrung und Überlegung als Quellen der geistigen Selbstemanzipation und das „Gefühl des Eigenkönnens") und der imitatorischen (Verweltlichung aus Nachahmungssucht). Sellin stößt auf den „Ur-Emanzipationswillen" des Menschen als den eigentüchen Grund aller Verweltlichungstendenzen, während die „Kultur" als solche, die Änderung der Lebensweise, Einflüsse aus neu bekannt werdender Sachenwelt nicht hinreichend für die „Abwendung von Gott" befunden werden. Erhellend der Versuch, in dem weiten Fragenbereich „Religion und Kultur" Verhältnistypen für die untersuchten Epochen aufzustellen! Ebenso aufschlußreich und gedrungen die Antwort: „Eine letzte, volle und dauernde Verwirklichung der Religion innerhalb der Kultur ist unmöglich. Ein in Form wirklicher Verschmelzung geschehender Ausgleich kann nur zwischen Primitiv-Religion und Kultur geschehen. Für den Menschen der Hochreligion wird das Teilhaben an Religion und Kultur nur im Verhältnis nebeneinander stehender und nicht ganz ausgleichbarer Welten möglich sein. Er bleibt in seiner Religion 43

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