Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Land Israel
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 33 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Land Israel JeridlO A\s öffnete man (Ausgrabungen) Erstorbenes Auge, 1 s s ' Daß es klaffte Blicklos! War es nicht schwer genug, Zu wachen, zu schaun Aus rings der Starrnis In Jahrhundert um Jahrhundert, Bis endlich ein Rasttag kam: Über dies übernächtige Auge Schloß die Wüste Langsam das graue Lid. Am toten See Durch tief geschnittene Felsschlucht, wo Dämonenhand Dir ungeheure Blöcke wälzte auf den Weg Und Höhlen dunkel laden in die Unterwelt, Hinab zur starren Wüste! Hier gefällt der Grund, Dem Leben nie entsproß, in bösen Spielen sich, Kegel und Würfel bleich hinbreitend meilenlang, Versteinert Lager eingangsloser Zelte. Hier Steht nur der Sodomsapfel grün, die Blätter groß Wie Teller aufeinander schichtend, daß du meinst, Du hörst sie scheppern, wenn im Gehn dein Arm sie streift, Und giftig schön die fleckige Blüte und die Frucht Gelbprangend: pflückst du sie, zerfällt sie unterm Griff Und an den Fingern bleibt dir silbriges Gespinst. Hier wie der gottgeschlagenen Städte wird des Stroms Flutendes Leben eingeschlungen ohne Spur Vom regungslosen toten See, des Wasser weit, Beißende Bitternis, den wundervollen Trug Des dunkelblauen Spiegels in der Sonne dehnt. Die Sonne aber stemmt erbittert ihres Brands Speerbündel in das schreiend deutliche Gewänd Der öden Berge ein und in den ganzen Grund Des tiefsten Erdentiegels, sengend ohne Wahl Und ohne Laß, bis übern Bergrand blank ins Nichts Sie schwindet. Seufzend grübest du die rasche Nacht, Atmest den vollen Mond, der das verwunschene Tal In solche Milde taucht, daß mitten aus dem Fluch, Den sie nicht löst, die kühle, ewige Schönheit steigt. 33