Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Land Israel
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 32 (sequence 5)
- Language
- German
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Ludwig Strauß Wintermorgen Schatten jagen über die hohen Flächen, Rasch drüberhin zieht wer helle Gewänder, Rot und grün und fahl — wie es glänzt und auslischt! Dichter aber und dunkler die fernen Kuppen Ballen sich in brauenden Wolkendünsten Rund zusammengerafft wie um Gedanken. Und die Nebel, die um die Flanken ihnen Buschig wittern, sind es in ihren Träumen Rauschende alte Wälder? Sind es Träume von künftigen Wäldern? Regen ^4ufsprengts den schwellenden Himmel, Und wilde Weite Unerschöpflich Flutet über uns hin. Bald gepeitscht in treibenden Schauern, Bald schlaff hinsinkender Reichtum, Bald prallend in senkrechtem Sturz — Nur hinab in die dürstenden Gründe! Es kommt dir ins Sinnen gerauscht Und kommt dir gerauscht in den Traum, Es rauscht und ruft dich zum Werk, Es rauscht dich in den Schlaf. Es nimmt dir deine Wege Und strömt drin und schluchzt drin Und spielt durch sie hin Reißende Spiele. Leben schwemmt es ins Nichts Und Leben braust es wach, Sich einvernichtend Tausendfältigem Keimen. Großmütig und grausam Schüttet sichs aus, Das helle Himmelsblut In den Schoß der Erde. 32