Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Land Israel
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 34 (sequence 7)
- Language
- German
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Ludwig Strauß: Land Israel Auffahrt /"*ahre, federnder Wagen, empor aus der brodelnden Tiefe, Fahr durch schimmernde Nacht, Bergen wie Bergen des Monds, Geisterzelten des Sandes vorbei, entfahre der dumpfen Wüste, drin noch des Tags Schwüle gefangen verweilt! Winde dich hoch mit dem steigenden Tal in wachsende Kühle, Wachsende Freie des Blicks, wachsenden Bergwind hinauf! Bis an der höchsten Kehre das Herz im Schrecken des Glücks mir Stockt: gegenüber erscheint, leuchtend im leuchtenden Mond, Weiß die heilige Stadt mit den breiten, zinnengekrönten Mauern: Weiden des Lichts, Kuppeln und Türmen, — im Blitz Plötzlicher Sicht zugleich ihr ganzes Wunder erhebend. Uraltes Zwiegespräch führt sie im Traume noch fort, Denn vom Berg, da sie wohnt, dem hellen Segen des Himmels Segen erwidernd wie einst, strahlt sie der Höhe sich zu. Gräber /mmer schaun die heilige Stadt Unzählige Tote Durch ihre weißen Steine an, Gegenüber gelagert. Berg der Lebenden, Berg der Toten — Ein Tal nur trennt sie. So aus allen Gräbern im Land Trifft uns das Schauen, Steigt aus den Gräbern der Weisen auf, Der Helfer und Helden Und der Schwachen gleich uns, die nun auch Entrückt sind ins Reine. Aus der Erzmutter Grab, zu dem Die Waller noch ziehen, Und aus des jüngsten Knaben Grab, Des namenlosen, Dem im Fieber der Spaten fiel Aus den frommen Händen. Wüßten wir den Blick, drin wir gehen, Ob wirs ertrügen? Steine dauern im Antlitz der Steine, Doch wir Lebendigen? Wer erhöbe den Blick, jenem reinsten Blick zu begegnen! 34