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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 20

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Der Künder der Humanität
Date
1935-04-01
Page
20 (sequence 4)
Language
German
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Felix Hirsch einzuwenden: „In Gesellschaft sind die Seiten, die wir nie an ihr liebten, das laute und weniger feine Wesen, bei weitem ärger geworden." Während Humboldts römischer Zeit schlafen die Beziehungen ganz ein; offenbar sind Caroline und Rahel sich inzwischen ihrer seelischen Verschiedenheit voll bewußt geworden. In Berlin sieht Humboldt sie 1809/10 ab und zu und ist mit ihr wieder „auf gutem Fuß". Während der Befreiungskriege lebt die Korrespondenz zwischen den beiden Frauen noch einmal auf, und fast scheint die alte Herzlichkeit zurückgekehrt zu sein. Inzwischen aber ist Wilhelm von Humboldt Rah eis völlig überdrüssig geworden. In Prag, wo sich beide im Sommer 1813 aufhalten, kümmert er sich nicht mehr um sie: „Was nie für die Ewigkeit gemacht war, muß man abbrechen". Er will mit ihr nichts mehr zu tun haben; obwohl er ihr „sehr schätzenswürdige und seltene Seiten von Geist und Charakter" zuerkennt, mißbilligt er ihren Ehebund mit Varnhagen, ihren Ehrgeiz, einmal Gesandtenfrau und Exzellenz zu werden. Schließlich, um die Wende 1814/15, überwindet er sich doch, zu ihr zu gehen, — aber die alte Freundschaft kann nicht wieder erweckt werden. Da die Humboldts anscheinend argwöhnen, Rahel wolle sich ihrer nur zugunsten der Karriere Varnhagens bedienen, tritt eine völlige Entfremdung ein; man schreibt und sieht sich kaum mehr. Ein Teil der Korrespondenz zwischen Rahel und Caroline hat in den Jahren zuvor einem Mann gegolten, dessen rätselvolles Wesen und abenteuerliches Leben noch heute von den Forschern — das Beste leistete Oppeln-Bronikowski — nicht ganz ergründet sind: David Ferdinand Koreff. Dieser vielumstrittene Modearzt hatte Carolines Herz bezaubert, seit er in Wien eine ihrer Freundinnen aus schwerer Gefahr errettet hatte. Trotz ihrer wachsenden Abneigung gegen das Judentum liebt sie Koreff offensichtlich; so schreibt sie an Rahel: „Mit Koreff bin ich sehr nahegekommen, er hat eine unbeschreibliche Tiefe des Gemütes, und es neigt sich alles in Liebe und Sehnsucht einem anderen Leben zu." Caroline gewinnt auch Wilhelm für ihn; er ist während des großen Kongresses ihr täglicher Gast. Humboldt empfiehlt den neuen Freund wärmstens an Hardenberg; bald ist der jüdische Arzt einer der intimsten Berater und unzertrennlichen Begleiter des Staatskanzlers. Als die ihm zugesagte Professur auf sich warten läßt, bemüht Koreff Humboldt noch einmal, und dieser legt die Angelegenheit Hardenberg und dem Staatsrat Nicolovius eindringlich ans Herz. Umgekehrt hat auch Koreff ihm später nützliche Dienste erwiesen; er hat bei dem Staatskanzler, der in Humboldt mehr und mehr seinen gefährlichsten Rivalen sah, oft vermittelnd gewirkt und anscheinend noch zuletzt den Sturz seines alten Gönners zu verhüten gesucht, dessen Abgang schließlich seine eigene Katastrophe einleitete. 20

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