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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 19

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Der Künder der Humanität
Date
1935-04-01
Page
19 (sequence 3)
Language
German
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Der Künder der Humanität meiner Phantasie sah." Wilhelms Heirat und sein Ausscheiden aus dem Staatsdienst beenden diesen ganzen Abschnitt seines Lebens. So klar Humboldt in seiner Verlobungszeit die Mängel Henriettes erkannt hat, so bewahrt er ihr doch bis ans Ende eine gute, ja herzliche Gesinnung. Als ihr Mann stirbt und sie in sehr mäßigen Verhältnissen zurückbleibt, bietet er ihr von Rom aus finanzielle Unterstützung an. Nach dem Zusammenbruch Preußens, der die Witwe an den Rand des finanziellen Ruins bringt, erneuert er seinen hochherzigen Vorschlag. Er rät ihr dringend davon ab, Preußen zu verlassen und sich anderwärts eine neue Existenz zu gründen. Wir lesen heute mit besonderer Bewegung in seinem Brief vom 18. November 1807: „Schreiben Sie mir offenherzig, liebe Freundin, sagen Sie mir, was Sie brauchen, wünschen; ich tue sicherlich, was ich kann. Ich danke Ihnen sehr viel, ich habe es nicht vergessen, ich werde es nicht vergessen . . . Ich möchte Sie Deutschland erhalten, wieder nur Deutsche könnten Ihren Wert in jenen Landen (Frankreich und Rußland) erkennen, und sollten wir, nachdem so viel verloren gegangen, auch noch die besten Menschen verlieren?" Selbst auf dem Gipfel seiner Laufbahn, als Leiter des preußischen Bildungswesens, kümmert er sich um Henriette. Er besucht sie ziemlich häufig, bewundert ihre noch immer große Anmut und plaudert mit ihr von vergangenen Zeiten. Während der Befreiungskriege sprühen dann in ihm „die letzten Funken meiner Pietät gegen die Herz" auf; er entschließt sich, etwas für die Juden zu tun, „die ich immer beschütze", und protestiert entrüstet beim Justizminister gegen ein Edikt, wonach die gerichtliche Sektion eines Leichnams jüdischen Ärzten nicht übertragen werden dürfe. Sogar Caroline, die in späteren Tagen antisemitische Überzeugungen hegt, behandelt Henriette mit ausgesuchter Freundlichkeit. Während eines langen gemeinsamen Aufenthalts in der Ewigen Stadt finden die beiden Frauen, denen sich auch noch Dorothea Schlegel zugesellt, wieder Gefallen aneinander, und bis zuletzt erscheint Henriette Herz als Gast in Schloß Tegel. Weniger harmonisch klingt die Freundschaft des Ehepaares mit Rahel Varnhagen aus. Als Humboldt 1795 aus Jena, wo er mit Schiller beglückenden Umgang gepflogen, nach Berlin heimkehrte, freute er sich, bei Rahel tieferes Verständnis für die klassische Literatur zu finden. Sein Biograph Rudolf Haym (er ist, trotz Spranger und Kaehler, nach achtzig Jahren noch nicht übertroffen) sagt mit Recht: „Sie stand ihm jetzt, unter den Frauen wenigstens, obenan." Wilhelm ist sehr oft bei ihr; auch Caroline nähert sich der „guten lieben Kleinen" recht freundschaftlich. Zwischen beiden spinnt sich eine sehr gefühlvolle und offenherzige Korrespondenz an, sobald die Humboldts wieder von Berlin scheiden. Wilhelm hat aber schon jetzt manches gegen Raheis Wesen 19

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