Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Maimonides und seine Wirkung in die Zeit
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 10 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Bamberger: Maimonides und seine Wirkung auf die Zeit um den More, mit dummen und plumpen Waffen geführt, aber auch da, nach Jahrhunderten, ist der prinzipielle Anstoß noch deutlich. Dem Christentum ist dieses Prinzipielle längst selbstverständlich. Bei Maimonides finden sie nun eine neue Lösungsmöglichkeit ihrer alten Schwierigkeiten. Der voluntaristische Gottesbegriff, Gott als Persönlichkeit, wie ihn Maimonides gegen die alte Philosophie mit ihren Mitteln herausarbeitet, das ist — im Formalen dem Jüdischen ähnlich — auch ein Desiderat der christlichen Religionsphilosophie. Und für manche andere Probleme der maimonideischen Philosophie gilt gleiches. Die Lösungen, die Maimonides gegeben hat, sind Möglichkeiten von prinzipiell richtiger Sicht in einer bestimmten Situation. Wo diese Situation eintritt, da behält die Idee des Maimonides ihr Recht, da kommt sie neu zur Erscheinung. Die gemeinsame Situation, in der sich in der Epoche der starken Wirksamkeit der maimonideischen Philosophie Judentum und Christentum befanden, war die Auseinandersetzung beider mit dem in der Form der Philosophie neu lebendig gewordenen Geist des „weltlichen", diesseitigen Griechentums. Die Auseinandersetzung war besonders gefährlich, weil dieser Rationalismus ungemein stark bejaht wird. Hätte er sich ausschließlich und uneingeschränkt durchgesetzt, dann hätte der eigentliche Sinn des Religiösen geopfert werden müssen. Maimonides hat die Schranken gesehen, die man ihm setzen mußte. Leibniz hat viel später mit scharfem historischem Sinn und einem Blick, den philosophische Schwierigkeiten ähnlicher Art in die Tiefe sehen ließen, erkannt, worin des Maimonides' Leistung lag: daß er eine nur naturalistische Philosophie so umzuformen verstand, daß sie Form der Religion selbst werden konnte. Man kann daß auch unter welthistorischem Aspekt so sagen: Maimonides hat in maßgeblicher Form die autonome Bildung des Griechentums mit den Ideen der Religion zusammengebracht, so daß beide in ihrer Eigenart ihren Sinn halten konnten. An einem wichtigen Punkt der Geschichte des Geistes hat er das humanistische Altertum neu eingesetzt in eine Welt der Religion. Und hat so seinen fortwirkenden Beitrag zur Formierung der Bildungselemente gegeben, die auch in der Neuzeit noch gestaltungskräftig geblieben sind. Im Märzheft erschien u. a.: Leo Baeck, Der jüdische Mensch f Hermann Gundersheimer, Max liebermann / Oskar Guttmann, Bach und Händel / Erich Roserühal. Der Viehmarki / Eva Reichmannn-Iungmann, Werkleuie Im Maihef 1 schreiben u. a.: Ignaz Maybaum, Ringen des deutschen Judentums um jüdische Gemeinschaft / Paul Bornstein, Hebbel und Kuh / Helen Rosenau, Frühjüdische Architektur / Paul Wohlfarth, Ekklesia und Synagoge 10