Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Maimonides und seine Wirkung in die Zeit
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 9 (sequence 5)
- Language
- German
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Maimonides und seine Wirkung auf die Zeit folg, solange die Auseinandersetzung immer nur der Sieg des einen Prinzips über das andere ist. Im More Newuchim findet eine ganz analoge Begegnung statt Die weltliche Bildung des Maimonides ist die in einem langen Weg durch Orientalen vermittelte Philosophie des Aristoteles. Als philosophische Tradition ist sie dem Maimonides voller Wahrheit und Würde. Ihr gegenüber steht das Judentum, das ihm, ohne Überlegung und über allen Zweifel, aus Offenbarung und Tradition in allen seinen Inhalten gewiß ist. Was im Christlichen ein durch die Jahrhunderte nicht erlöschender Unruheherd im Kern der Religion selbst geblieben ist, das stellt sich dem Maimonides als Ergebnis in sich begrenzter, separater philosophischer Tradition dar. Dem Offenbarungsgedanken der Religion und seinen wesentlichen Konsequenzen gegenüber bleibt der griechische Gedanke zunächst ebenso im Widerspruch wie er innerhalb des Christentums schwierig blieb. Ein langwieriges Verfahren, das nur äußerst vorsichtig, tastend und ausprobierend vorgehen kann, ist notwendig, um Judentum und griechische Philosophie aufeinander abzustimmen. In allen den philosophischen Untersuchungen, Interpretationen, Beweisen und Deduktionen, die den Inhalt des More Newuchim ausmachen, geht die Bemühung um ein philosophisches System, aus dem alles entfernt werden sollte, was der Religion widersprach; und dabei ist es doch ein selbständiges, philosophiegerechtes System geblieben. Der Aristotelismus in seiner überkommenen Form mußte umgebogen werden, um unverkümmert und echt die Inhalte des Judentums aussprechen zu können. Was das System des Aristotelismus zum Wesen der Welt zu sagen hatte, bedeutete Weltewigkeit, das Dasein der Welt seit dem Anbeginn aller Zeiten. Das Judentum aber hat als Kernansicht, von der es nicht abgehen kann, die Lehre von der Geschaffenheit der Welt. Was das System des Aristotelismus als das oberste Prinzip der Welt erklärte, das war eine starre Notwendigkeit von der Art eines unabänderlichen Naturgesetzes. Der Gott der jüdischen Religion aber ist ein persönliches Wesen, das mit Willen und Absicht in diese Welt formend eingreift und zu den Menschen ein lebendiges Verhältnis aufrecht erhält. Von der jüdischen Religion aus versucht Maimonides in seinem Buch eine Umbiegung der überlieferten Philosophie zum Judentum. Wieweit ihm das gelungen ist und wieweit nicht doch das Jüdische zuweilen unter dem Zwang ihm fremder philosophischer Ansichten seinen ursprünglichen Sinn geändert hat, kann hier unentschieden bleiben. Den Juden jedenfalls war hier seit langem wieder eine positiv versuchte Auseinandersetzung von Bildung und Religion gezeigt An dieser Auseinandersetzung selbst, ihrer Notwendigkeit oder Frevelhaftigkeit, entzündet sich immer wieder die Diskussion. Noch im 17. Jahrhundert entbrennt in Posen ein langandauernder Kampf 9