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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 6

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Maimonides und seine Wirkung in die Zeit
Date
1935-04-01
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Fritz Bamberger einem neuen Sinne bestimmt, der diese Zeit grundlegend abheben würde gegen die frühere. Sie ist nur dadurch von ihr unterschieden, daß eben jetzt neue Möglichkeiten durch das Werk des Maimonides sichtbar geworden sind. Wir erfahren sie am leichtesten da, wo man von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht hat. In der Wirkung des Maimonides in die Zeit muß sich uns seine Leistung in ihrer Originalität auftun. Sie geht am stärksten und auch am leidenschaftlichsten von seiner Philosophie aus. Am leidenschaftlichsten zumal in der Bekämpfung durch Juden und am stärksten in dem Einfluß, den die Philosophie des Maimonides auf das christliche Denken gewonnen hat. Wo ihr im jüdischen Bereich heftige Gegner erwuchsen, da richten sich die Attacken weniger auf die Einzelheiten der philosophischen Arbeit als auf den Gesamtversuch. Und wo man sich im christlichen Kulturkreis an Maimonides hält, da sind es fast immer Einzelpositionen, die man übernimmt. In der genaueren Betrachtung wird sich diese Aufteilung klären und gegenseitig erhellen. Der More Newuchim, das philosophische Hauptwerk des Maimonides, ist ein Buch aus der philosophischen Tradition des Morgenlandes (das damals bis nach Spanien hinüberreichte) und in arabischer Sprache geschrieben. Um 1190 ist es vollendet worden. Arabische Philosophen haben es bald kennen gelernt. Es kam nach Südfrankreich, in die Zentren jüdischer Studien. In Lunel, der berühmten Judengemeinde in der Provence, saß Samuel ibn Tibbon, ein Mitglied der Familie, der die klassischen Übersetzungen der großen jüdischen Werke aus dem Arabischen ins Hebräische zu verdanken sind. Man drang in ihn, auch das Buch des Maimonides durch die Übersetzung einer größeren jüdischen Öffentlichkeit leicht zugänglich zu machen. Man scheute kein Opfer und keine Mühe, um alle Voraussetzungen einer einwandfreien Übertragung zu schaffen. Samuel ibn Tibbon setzte sich selbst mit Maimonides in Verbindung, und es wurden alle Anstalten getroffen, um sicherzustellen, daß die arabische Quelle, aus der man übersetzte, in Ordnung sei, daß kein Fehler sich eingeschlichen habe. Samuel reiste schließlich nach Ägypten, um Maimonides aufzusuchen; und so trägt seine Übersetzung gleichsam die Approbation des Autors. In dieser Übersetzung beginnt der More seinen raschen Weg durch die Lehrhäuser Spaniens und Frankreichs. Eine neue Konzeption jüdischen Philosophierens tut sich vor denen auf, die sich schnell in ebenso begeisterte Anhänger wie in fanatische Gegner des Maimonides teilen. Das Lager der jüdischen Wissenschaft wird ein Kriegslager, in dem mit einer Leidenschaftlichkeit gegeneinander gestritten wird, die Jahrhunderte hindurch vorhält. Die Blitze des schärfsten Bannes wechseln hinüber und herüber. Unerhörtes geschieht. Die Gegner des Maimonides tragen den Streit aus den 6

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