Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Maimonides und seine Wirkung in die Zeit
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Maimonides und seine Wirkung auf die Zeit jüdischen Reihen heraus. Sie verbinden sich mit der judenfeindlichen Kirche und denunzieren das Werk als eines, dessen Philosophie alle festgefügte Religion und die Autorität jeder Kirche aus den Angeln hebe. In Paris schichten die Dominikaner den Scheiterhaufen für die Werke des Philosophen, und die größte Altarkerze zündet den Stoß an. Die Dunkelmänner haben sich zusammengetan, daß der Schein der Bücherverbrennung das Licht der Vernunft, das aus der neuen Philosophie herausleuchtet, überstrahle. Maimonides hat Vorgänger gehabt, und die Ausgangsposition, die er fast selbstverständlich und ohne sie sehr herauszuheben, in seinem Werk einnimmt, ist dem Prinzip nach auch der jüdischen Philosophie nichts Fremdes. Daß die autonomen Erkenntnisse, die die menschliche Vernunft, auf sich gestellt, erzeugt, der Wahrheit der Religion nicht fremd sind, ist vorher längst gesagt und im Sinne einer bestätigenden Sicherung des Glaubens empfunden worden. Aber nun empfindet man, von welcher Einzelfrage auch immer man ausgeht, daß Maimonides bereits weiter und bei einer neuen Position angekommen ist. Die Wahrheiten der Vernunft werden von ihm nicht jeweils herangeholt, um die erhabene Sicherheit des in sich ruhenden Religiösen noch einmal zu bestätigen. Jetzt stehen zwei Kräfte, Wissenschaft und Religion, weltliche Bildung in der Form der Philosophie und religiöse Überzeugung, nebeneinander und werden souverän zueinander gebracht. So sehr identisch sind sie, daß eines sich in der Sprache des anderen ausdrücken kann. Darum geht es, die jüdische Religion und ihre Inhalte begrifflich zu formulieren. Wenn Maimonides die Lehre von Gott, von dem Kosmos, vom Weltzweck, von der Prophetie, der Vorsehung und dem Ziel, dem der Mensch nachstreben soll, abhandelt, so nehmen die jüdischen Anhänger und Gegner die Impulse ihrer Zustimmung oder Ablehnung aus der prinzipiellen Sicht, die in den einzelnen Formulierungen erscheint. Es ist frappant, wie man immer wieder vom Einzelproblem zur Grundlegung zurückkommt und das Neue spürt, das hier in der Geschichte des jüdischen Geistes erschienen ist. Die christlichen Denker, die aus Maimonides lernen, sind viel solider, fast nur mit den Einzelheiten beschäftigt. Wenn der More Newuchim ein Werk der philosophischen Weltliteratur geworden ist, so in dem Sinne, daß ganz unproblematisch die Behandlung der einzelnen Lehrstücke vorbildlich geworden ist. Man zitiert ihn als einen zuverlässigen Wegweiser, dem man sich unbesorgt anvertrauen kann. Man zieht den Doctor perplexorum des Rabbi Moyses Judaeus aus, wie man ein Quellenwerk exzerpiert. Früh im 13. Jahrhundert muß die lateinische Übersetzung entstanden sein. Aus ihr haben die großen Scholastiker dieses Jahrhunderts geschöpft: Alexander von Haies und Wilhelm von Auvergne, die 7