Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Maimonides und seine Wirkung in die Zeit
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 5 (sequence 1)
- Language
- German
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Fritz Bamberger: Maimonides und seine Wirkung in die Zeit In zweierlei Weise kann ein großer Gedanke wirken. Er kann von seinem Auftreten an umgestaltend eine neue Entwicklung in Gang setzen. Unmittelbar läuft von ihm eine eindeutig zu verfolgende Linie aus. Aber in deren kontinuierlichem Fortgang ist der bewirkende Ursprungsgedanke verändert und aufgelöst und von einem späteren Zeitpunkt nur dem forschenden Zurückgehen erfaßbar. Er kann im Fortgehen der Entwicklung schnell unsichtbar werden und doch in einer latenten Weise alles spätere bedingen. Er ist in dem doppelten Sinn des von Hegel gebrauchten Wortes in der Geschichte „aufgehoben", d. h. nicht mehr vorhanden und doch in seiner Wirkung bewahrt. Für uns ist ein solcher Gedanke dann eigentlich „historisch". Er hat nicht mehr die Möglichkeit zu einem Eigenleben heute. Er hat keine Forderung an uns, hat seine Bestimmung erfüllt. Ideen treten auch anders auf. Sie können auch so erscheinen, daß sie immer wieder in ihrer einmaligen, unveränderten Art neu aufgenommen werden können. Sie kommen aus der Historie heraus und wirken in sie hinein; aber sie haben sich nie in ihr ausgegeben. Sie bleiben jung, sie stehen immer wieder zur Verfügung. Sie gelten durch die Zeiten hindurch. Sie sind Vorbilder, Lösungsmöglichkeiten für bestimmte Situationen von dauerndem und jeweiligem Wert. Sie sind nicht immer dagewesen, aber sie hätten auch irgendwann, anders als es geschehen, real werden können. In beiden Fällen sind Menschen die Träger des neuen Gedankens. Aber das erstemal erscheinen sie, die die Idee bringen, als ausführende Organe eines Anderen, das hinter ihnen steht und sie mit einem persönlichen Auftrag schickt. Die historische Person erledigt ihre Rolle in dem großen Spiel und tritt ab. Aber man weiß, daß es nur fortgehen kann, weil sie gesprochen und ihren Beitrag gegeben hat. Beim zweiten jedoch tritt in ihr das Typische hervor, das man immer wieder berufen kann. Die Idee des Maimonides ist von der zweiten Art und damit bereits weitgehend charakterisiert. Maimonides' Stellung innerhalb der Geschichte des Judentums und innerhalb auch der Entwicklung der allgemeinen Philosophie ist nicht derart, daß von ihm aus eine aufgenommene und durchgeführte Neuwendung und -entwicklung eintritt. Die Zeit nach Maimonides ist nicht durch ihn in «5