Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Universität Jerusalem
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895541-2904837--07848-2904873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Universität Jerusalem Seither sind zehn Jahre vergangen. Zehn Jahre einer erstaunlichen Entwicklung des jüdischen Aufbauwerks und eines systematischen Ausbaus der Universitätsinstitute. In den Grenzen eines durchschnittlichen Jahresbudgets von 50 000 Pfund, das zum größten Teil der Gebefreudigkeit amerikanischer Spender zu danken ist, wurde die Tätigkeit auf fast alle Hauptgebiete der Natur- und Geisteswissenschaften ausgedehnt. Die von Anfang an gepflegten Zweige der Judaistik und Orientalistik wurden — um nur einige Einzelbeispiele zu nennen — um jüdische Philosophie, jüdische Soziologie, Literatur der Kabbala, palästinensische Archäologie, Ägyptologie u. a. m. erweitert. Der allgemeinen Geisteswissenschaft, deren Pflege zunächst die größten Schwierigkeiten bereitete, dienen jetzt u.a. vier Lehrer der Philosophie, sechs Historiker, eine in Entstehung begriffene Abteilung für Pädagogik, in der bis zur Verselbständigung auch die Psychologie ihren Platz finden wird, sowie eine Abteilung für klassische Sprachen und Literatur. Die Vergebung eines besonderen musikwissenschaftlichen Forschungs¬ und Lehrauftrages, der sich der traditionellen jüdischen Musik auf biblischer Grundlage sowie der außereuropäischen Musik widmen soll, ist ins Auge gefaßt. Besonders weit ist man in getreuer Fortentwicklung der schon vor zehn Jahren vorhandenen Ansätze auf dem mathematischen und naturwissenschaftlichen Gebiete gelangt. Zur Zeit schweben Verhandlungen mit zwei Gelehrten aus Deutschland für physikalische Chemie und theoretische Physik, nach deren Abschluß die Schaffung einer umfassenden naturwissenschaftlichen Fakultät als vollendet anzusehen sein wird. Am unvollständigsten ist bisher die Medizin vertreten; doch erwartet man von dem neuen Hadassa-Krankenhaus, das auf dem Skopusberge dicht neben der Universität liegen und in engem Zusammenhang mit ihr arbeiten wird, die Entstehung eines medizinischen Zentrums. Besondere Aufmerksamkeit wendet man der Krebsforschung zu, für die von anonymen Gebern die Summe von 40 000 Pfund bereitgestellt worden ist. — Der Lehrkörper der Universität besteht zur Zeit aus 83 Mitgliedern, von denen 21 Professoren sind. Die Zahl der Studenten beträgt etwa 600. In den letzten zwei Jahren stand die Universität verständlicherweise im Zeichen eines starken Zuzugs von Lehrern und Studenten aus Deutschland. Es 3