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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Universität Jerusalem
Date
1935-04-01
Page
4 (sequence 4)
Language
German
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Universität Jerusalem ist gelungen, bisher 15 aus Deutschland kommende Professoren und Gelehrte aufzunehmen. Verhandlungen mit einer Anzahl weiterer deutscher Juden sind im Gange. Die Berufung dieser Persönlichkeiten konnte zunächst nur für einen Zeitraum von drei Jahren erfolgen, doch hofft man am Ende dieses Zeitraums die provisorische Verbindung in eine endgültige umwandeln zu können. So etwa stellt sich uns heute, zehn Jahre nach ihrer Eröffnung, die Universität Jerusalem dar. Sie ist in einem verheißungsvollen Aufschwung begriffen. Aber da die Entwicklung des Landes ringsum vielleicht in noch schnellerem Tempo vorwärts geschritten ist, wirkt sie in ihrer Umgebung doch nicht mehr ganz so unorganisch kühn wie damals, nicht mehr ganz so sehr als reines Symbol, als bloßes Versprechen an die Zukunft. Universität und Land scheinen näher zusammengewachsen. Sind sie es wirklich? Hat sich der Abstand zwischen der Stätte des Geistes und den im Freudentaumel praktischer Erfüllung begriffenen jüdischen Menschen Palästinas wirklich so vermindert, wie es der äußere Eindruck anzeigt? Kann man davon sprechen, daß die Universität auf dem Weg ist, die Schuld gegenüber dem Judentum und der Menschheit, die sie bei ihrer Gründung übernahm, zu tilgen? Wir wagen nicht, diese Frage, die eine der Schicksalsfragen des jüdischen Palästinas ist, heute schon zu beantworten. Wir glauben auch, daß dem Sinne dieses Jubiläums bereits Genüge getan wird, wenn man sie stellt. Es wäre falsch und der Größe dieses Werkes unwürdig, wenn man seiner nur in Bewunderung und Dankbarkeit für das Geschaffene gedächte. Dazu war das Wagnis zu gewaltig, mit dem man vor zehn Jahren in eine werdende, rudimentäre Gemeinschaft eine fertige Konzeption der universitas litterarum hineinstellte, um so die Kette bester jüdischer Geistestradition an der entscheidenden Stelle neu zu knüpfen. An dem Maßstabe des eminent jüdischen Sinngehalts ihrer Gründung wird sich die Universität zu bewähren haben, wenn sie ihrer selbst gewählten Verpflichtung treu bleiben will. Nur wenn es ihr gelingt, aller stürmischen Eigenentwicklung des Landes zum Trotz, das Symbol des Skopusberges zu einer tragenden Wirklichkeit zu machen, wird Kraft genug von ihr ausstrahlen, um das werdende Palästina jüdisch und menschheitlich zugleich zu binden. E. R.-J. 4

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