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Der Morgen · 1935-03-01 · Heft 12 (März 1935) · p. 557

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 12 (März 1935)
Article
Der Viehmarkt
Date
1935-03-01
Page
557 (sequence 2)
Language
German
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Der Viehmarkt Funktion des Marktwesens soll hier gesprochen werden, sondern von der gesellschaftlichen Bedeutung insbesondere des Vietimarktes. Diese Bedeutung ist bis jetzt so wenig beachtet und ins Bewußtsein gehoben worden, daß sie auch heute noch schwer durchsichtig und voller Fragezeichen ist, zumal man von Viehhändlern über diese Dinge so gut wie nichts hört. Da das Wirtschaften nur einen Teil und nicht einmal den wichtigsten des menschlichen Daseins ausmacht, ist es ganz selbstverständlich und in der Natur des Menschen begründet, daß auf dieser zunächst rein wirtschaftlichen Institution auch jenseits des Geschäfts liegende Dinge „verhandelt" werden. Das Wort „Verhandeln" bedeutet ja heute meist Meinungsaustausch und Besprechung, die dem Abschluß von Geschäften und Verträgen vorausgehen, ohne daß die Ware präsent ist. Sogar die Akademie der Wissenschaften nennt das Protokoll ihrer wissenschaftlichen Aussprachen Verhandlungsbericht. Auf das wirtschaftliche „Handeln" deutet beim Viehmarkt das Zusammentreiben des Viehs, das Einladen und Ausladen der Tiere unter tierärztlicher Aufsicht, deuten die ausgewaschenen, weißlichen Kittel, die, ebenso wie die Schuhe und Gamaschen, nach Marktschluß beschmutzt sind, deuten die gelben Stöcke und die zusammengerollten Stricke. Dagegen: das stundenlange Herumstehen nach Marktschluß, das Aufsehen und den Spott der Schuljugend erregende Bild vor dem Personenbahnhof, das wirtschaftlich gar nicht gerechtfertigte absichtliche Aufschieben und Verzögern der Heimfahrt bis zum übernächsten Zug, das unter den Arm geklemmte braune Wurstpaket — alle diese Erscheinungen deuten auf die gesellschaftliche Seite des „Verhandeins", auf den Markt als Nachrichtenmarkt, der zum Austausch der verschiedensten Arten von Nachrichten dient. „Verhandlungsgegenstände" sind zunächst die kurzlebigen Witze, die, noch nicht fertig erzählt, bereits wieder vergessen sind. Dann folgen Ergänzungen zu Nachrichten, die in der Rubrik „Aus Nah und Fern" der Heimatzeitungen infolge Platzmangels zu kurz abgetan wurden. Sodann Einzelnachrichten und Stimmungsbilder, die in ihrem Gesamt die Ursachen der gegenwärtigen Marktlage ans Licht stellen und eine gefühlsmäßige Marktanalyse ergeben, die den Bericht der Fachzeitschrift ergänzt oder widerlegt. Von un- Das Februarheft erschien als Sonderheft „Bildung" mit Beiträgen von Martin Buber, Ignaz Maybaum. Fritz Friedlaender. Paul Eppstein, Kurl Bergel u. a. Im Aprilheft schreiben u. a. David Baumgardi, lüdische Gelehrlenköpfe / Fritz Bamberger. Maimonides und seine Wirkung in die Zeil / Felix Hirsch, Wilhelm von Humboldt j Briefe von Franz Rosenzweig. 557

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