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Der Morgen · 1935-03-01 · Heft 12 (März 1935) · p. 549

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 12 (März 1935)
Article
An der Grenze
Date
1935-03-01
Page
549 (sequence 8)
Language
German
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An der Grenze noch besser als solche Gänse wie die Betty. Michel, mach kein Gesicht, für Dich ist eine bessere Betty geboren." Trotz dieser abschließenden Bemerkung machte der Kantor keine Anstalten, schlafen zu gehen. Boskin betrachtete seine Zigarre. Er war gewachsen, seit er wieder gehen konnte; er war erwachsen. Sein Gesicht war schmal und blaß, seine Hautfarbe hell wie bei Blonden, die Augen groß und grau, das Haar blauschwarz. Er war unscheinbar angezogen, und für einen Mann immer noch klein, obwohl seine Arme und Beine so lang und schlaksig schienen, als hätte sie ihm jemand zum Halten gegeben, für einen Augenblick. Er hielt die Zigarre so ungeschickt. Dies alles beobachtete der Kantor mit klugen, gütigen Augen, und als er fand, daß Boskin ruhiger geworden war, ging er in die Küche, brachte ihm das Plelun&t Sie den Beginn des lL'Jahrgangs zum Anlass, Ihren Freunden durch ein Jahres - Abonnement des »Morgen« Freude und Anregung zu geben. Wir haben einen künstlerisch ausgesiaiieien Gesch.enk-Gutsch.ein herstellen lassen. Das Abonnemeni kostet bei Vorauszahlung RM. 10.80. Einbanddecken für den 10. Jahrgang zum Preise von RM. 2.25 liefert der Verlag. Das Inhaltsverzeichnis liegt dem Aprilheft bei. Essen und wartete still, nur manchmal ihn aufmunternd, bis Boskin gegessen hatte. „Und sonst, Michel?" Boskin versuchte zu sprechen. Aber es ging nicht. Der Kantor klopfte die Asche ab. Die Lichte waren zu Ende. Draußen polterte ein Wagen über das holperige Pflaster. „Vater", begann Michael Boskin. Aber es ging wieder nicht. Er nannte den Kantor manchmal Vater, wenn seine Dankbarkeit die unendliche Scheu überspülte. Aber schon während des Essens hatte er einen solchen Ansatz versucht, nachdem er erst heißhungrig ein paar Löffel voll genommen, dann innegehalten und endlich unter den Augen des Kantors wieder zugegriffen hatte. Jetzt umgab sich der Kantor mit einer Rauchwolke, als wollte er sich unsichtbar machen, um Boskin das Geständnis zu erleichtern. Boskin versuchte ihn anzusehen, aber alles verschwamm vor ihm. Boskin schloß die Augen. „Ich bin kein Jude", sagte er. Er glaubte zu schreien, aber die Worte kamen ganz tonlos. Er konnte sich nicht bewegen. Er hatte sekundenlang den Wunsch, seine Krücken wieder neben sich zu wissen. Zugleich war er gewiß, daß er selbst mit den Krücken niemals wieder würde gehen 549

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