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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 513

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Zur Forderung einer jüdischen Pädagogik
Date
1935-02-01
Page
513 (sequence 3)
Language
German
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Zur Forderung einer jüdischen Pädagogik Ein solches Bildungssystem des Judentums besitzen wir heute noch nicht, und man kann sehr verschiedener Meinung darüber sein, was vonVorbedingungen überhaupt da ist Die Pädagogik selbst, das steht fest, kann diese Systematik nicht schaffen, es gehört nicht zu ihrer Aufgabe. In diesem Sinne mag es auch im jüdischen Bereich dabei bleiben, daß die Pädagogik die Bildungsinhalte nicht selbst erzeugt, daß sie auch deren Rangordnung nicht von sich aus bestimmt. Wo in einer Wissenschaft des Judentums sein Bildungssystem darzustellen ist, braucht hier nicht erörtert zu werden- Was die Theologie oder eine neuartige Judentumskunde dabei leisten und was an außerhalb der Wissenschaft Liegendem dabei eine Rolle spielen könnte, ist eine andere Frage. Daß in einer solchen Systematik mindestens auch die Ansatzpunkte aufzeigbar sein müßten, um die Stellung der allgemeinen Kultur zum Judentum, seine Einordnung darin usw. einzusehen, sei nur gesagt, um die Größe der Aufgabe noch einmal unter Beweis zu stellen. Was ist nach all dem jüdische Pädagogik? Sicherlich nicht das, was man, wie zu Anfang dargelegt, von ihr erwartet. Sie kann nie und nimmer das System jüdischen Lebens und jüdischer Bildung liefern. Und überhaupt erscheint es problematisch, im strengen Sinn von einer jüdischen P.ädagogik zu sprechen. Viele Prinzipien der Pädagogik bleiben durch alle ihre Anwendungen hindurch die gleichen, unberührt von dem individuellen Fall, auf den sie sich anwenden lassen. Es gibt eine spezifische Methodik für manchen Bereich der jüdischen Schule; es gibt auch Abwandlungen der Psychologie für das jüdische Kind. Aber man soll die Hoffnung fahren lassen, daß eine jüdische Pädagogik ausgebaut ein Gesamtbild des Judentums geben könne, und man wird gut tun, auch den Begriff, der Falsches vortäuscht, nicht zu verwenden. Das komplette Bildungssystem des Judentums bleibt im Augenblick eine schöne Hoffnung; aber die Schule kann nicht warten. Und nun ist eine auf den ersten Blick seltsame Situation eingetreten. Die Schule in ihrer praktischen Arbeit nimmt vorweg, was ihr Grundlage sein müßte. Sie experimentiert (in einem guten Sinn), sie probiert aus, sie prüft die Tragfähigkeit dessen, was auch außerhalb der Schule dann halten soll. Sie weiß es oft selbst nicht. In ihrer Methodik spielt der Konzentrationsunterricht eine Rolle. Aber unterschätzt sie die Tragweite dessen nicht, was sie „jüdischen Konzentrationsunterricht" nennt? Es ist klar, was damit im allgemeinen gemeint ist. Die verschiedenen Fächer des Unterrichts schneiden sich alle in einem Thema, das von ihnen durchgängig, aber je nach dem Fach verschieden behandelt wird. Eine Sache steht konzentrisch im Blickfeld der verschiedensten Betrachtungsweisen. Das Judentum kann nicht in gleichem Sinne Konzentrationsthema sein. Bei dem Versuche, es entsprechend zu „verwenden", kommt mehr heraus als ein methodisches Arrangement. 513

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