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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 514

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Zur Forderung einer jüdischen Pädagogik
Date
1935-02-01
Page
514 (sequence 4)
Language
German
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Fritz Bamberger: Zur Forderung einer jüdischen Pädagogik Das muß ja schon deshalb so sein, weil ja hier kein „Thema", sondern ein ganzes „Fach" in andere Fächer hineingerückt wird. Wenn das „Judentum" als Konzentrationsthema im Geschichtsunterricht behandelt wird, so heißt das nicht: Das Judentum im Spiegel der Geschichte, sondern die Berührung jüdischer und anderer Geschichte; dann ist das der eine Geschichtsverlauf, in dem beides drinnen steht, aus dem ein Geschichtsbild gewonnen werden soll. Wenn das Judentum zum „Konzentrationsthema" für den Deutschunterricht wird, so ist das nicht irgendein jüdisches Thema in der Auffassung der deutschen Literatur, sondern als Aufgabe ist gestellt: die lebendige Berührung zwischen dem Jüdischen und dem Deutschen. Was man da zeigt, kann keine jüdische Pädagogik als solche hergeben. Und alle bloß methodische Behandlung wird schnell an die Grenze kommen, wo die Sache entscheidet. Wo die Sache entscheidet, die anderswo noch nicht entschieden ist. Und die dringend der Entscheidung bedarf, weil sie uns allen auf den Nägeln brennt. Die bloß pädagogische und methodische Betrachtung führt zu solcher Entscheidung im Sachlichen nicht. Auf einer Pädagogischen Arbeitstagung der Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens, die zu Anfang des Jahres stattfand, war einer Um die Geschlossenheii des Sonderheftes zu wahren, wird die Erzählung „An der Grenze" von Leo Hirsch ersi im Märzhefi fortgesetzt der wichtigsten Eindrücke, wie man immer wieder in der Diskussion methodischer Fragen an die Grenzen des Pädagogischen geriet, in Sachprobleme, die erst gestellt, aber noch nicht gelöst sind. Die Schule hat die ganze Wirklichkeit des Lebens, in die sie, gestaltend und führend, den Weg zeigen soll, zum Stoff. Der jüdischen Schule erwächst daraus ihre spezielle jüdische Aufgabe. Sie ist prinzipiell von der allgemeinen jüdischen nicht verschieden. Die Lösung der allgemeinen sollte das Fundament der besonderen sein. Aber so weit sind wir heute eben nicht. Und so entsteht der jüdischen Schule eine Aufgabe über ihre eigentlichen Zwecke hinaus. Sie arbeitet in ihrer Praxis an~ Aufgaben, die uns mit aktueller Dringlichkeit gestellt sind. Sie erarbeitet zu ihrem Teil und über ihren ursprünglichen Sinn hinaus Grundlagen für die geistige Neufundierung des deutschen Judentums. In diesem Sinn ist die Erwartung berechtigt, daß vom pädagogischen Bereich her inhaltliche Lösungen erwartet werden dürfen, weil in der pädagogischen Praxis gehandelt werden muß. 514

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