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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 506

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Religiöse Jugenderziehung
Date
1935-02-01
Page
506 (sequence 5)
Language
German
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Kurt Berget tut, der prellt sich selbst. Daher müssen die Gebete langsam fortschreitend erarbeitet werden; wenn der Leiter dieser Feiern gleichzeitig der Lehrer ist, wird es am zwanglosesten möglich sein. Man beginnt ganz bescheiden mit Wenigem, und wenn alle paar Wochen ein neu erarbeitetes Stück der Gebetsfolge eingefügt wird, dann ist es die freudige und persönliche Angelegenheit jedes einzelnen Jugendlichen. Denn jedes Gebet soll natürlich verstanden und so beherrscht werden, daß es schon wieder, ich möchte sagen, porös wird und der vorgeschriebene Text neue persönlichere Gehalte in sich aufnehmen kann. Dieser Weg zur religiösen Gestaltung ist ein pädagogischer; der Pädagoge fragt von den Menschen her und bahnt sich von ihnen aus den Weg zum gesetzten Ziel. Wie dieses Ziel aussieht, bestimmt entweder der Führer des Wegs oder — und das hat vielleicht tiefere Berechtigung — das vorher unbestimmbare Ende des Weges ist das immanente Ziel des Weges selber: der Weg bestimmt dem Menschen das Ziel. Wie dem auch sei: die weltanschauliche Frage nach dem Ziel darf an dieser Stelle die pädagogische Frage nach dem Weg nicht überdecken. Diese pädagogische Haltung steht in scharfem Gegensatz zu einer „positiv"-religiösen, „positiv" im Sinn der Theologie als des „Gesetzten". Diese Haltung geht von einem festgefügten theologischen Lehrgebäude und einem sakrosankten Ritual aus, setzt in unserem Fall eine Off enbarung voraus, deren Inhalte für jeden Zeitraum der Geschichte Gültigkeit haben, und stellt die Frage nach der Bereitschaft der Menschen überhaupt nicht prinzipiell, sondern nur allenfalls methodisch. Auf diesen Gegensatz kommt es wesentlich an. Er deckt sich nicht mit dem von Liberalismus und Orthodoxie, zumal nicht mit deren gegenwärtiger Gestalt. Die pädagogische Haltung in meinem Sinn rindet sich sogar gelegentlich deutlicher bei der Orthodoxie als beim Liberalismus. Dieser sieht ja, grob gesagt, das Judentum stark von seiner „Idee" aus, und diese im Grunde abstrakte Haltung befriedigt den Jugendlichen nicht, der nach sinnenfälligem Ausdruck verlangt. Das gesetzestreue Judentum dagegen bot und bietet ein buntes, formenreicheres Leben in Haus und Synagoge, wenn es auch oft aus anderen Gründen nicht genügen kann. Da der Einzelne als Individuum keine religiöse Gestaltung im Sinne des Judentums leisten kann, werden vielleicht zu einer religiösen Erneuerung kleine Gruppen religiös verantwortlicher Menschen vor allem berufen sein. Wir brauchen wieder lebendige religiöse Gruppenbildungen, so absonderlich es klingen mag in dieser Zeit, da die Besten unter uns Formen des Zusammenschlusses für das deutsche Judentum erstreben. Aber ich spreche eben nicht von Politik und Organisation. Ich meine kleine Gruppen von Menschen, die wieder Vertiefung suchen, die unter Gott leiden. Ihre 506

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