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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 505

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Religiöse Jugenderziehung
Date
1935-02-01
Page
505 (sequence 4)
Language
German
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Religiöse Jugenderziehung meinschaftsstimmung höchstens eine vorläufige, aber keinesfalls eine ausreichende Begründung der Form sein. II. Der Weg Das Ernstnehmen jener vorhandenen Problematik alles Religiösen darf aber nicht nur Grundlage des menschlichen Verstehens sein. Diese Problematik muß selber zur Wegweiserin der religiösen Erziehung werden1). Kinder aus religiös indifferenten Elternhäusern finden nur selten wirklichen Zugang zum Gottesdienst. Der übliche Jugendgottesdienst hat den Hauptfehler, daß zur Jugend hin, aber nicht von der Jugend aus gesprochen wird. Es ist völlig verfehlt, wenn der Rabbiner sich „kindlich" zu sprechen bemüht; die Kinder merken die Künstelei und lachen ihn aus, und die Jugendlichen fühlen sich nicht ernst genommen. Und selbst wenn der Jugendprediger Worte findet für die stummen Fragen und ersehnten Antworten seiner Hörer, droht doch auch in diesem Fall der Abgrund zwischen der Kanzel und den Bänken der Hörenden sich aufzutun, von dem Franz Rosenzweig als einem Schicksal der heutigen Synagogalpredigt gesprochen hat. Deshalb gilt es, den „Jugendgottesdienst" zu einem wirklichen Gottesdienst der Jugend zu machen. Es müssen dazu Gruppen möglichst gleichaltriger Jugendlicher gebildet werden, deren Feiern nicht an die Synagoge gebunden zu sein brauchen, wenn auch das letzte Ziel die Einordnung in die Gemeinde und das Verständnis der Liturgie sein soll. Man gewinnt die Kinder, indem man sie selbst zu Mitgestaltern ihrer eigenen Feiern macht. Niemals darf — wie man das gelegentlich findet — die Feier zum Kampfplatz für solistische Glanzleistungen werden, wenn nicht der Gemeindegedanke, den es heute erst wieder zu beleben gilt, bereits im Werden wieder vernichtet werden soll. In solchen Feiern sollte der gemeinsame Gesang und — statt der monologischen Predigt — ein überlegen geführtes religiöses Gespräch, etwa im Anschluß an einen Gebetstext, einen jüdischen Brauch oder den Wochenabschnitt, im Mittelpunkt stehen. So nur verschwindet die häßliche Trennung von gemütvollen Feiern und dem geistigen Eindringen in das Religiöse und Jüdische, der Riß zwischen Synagoge und Schule. Damit wird der Gottesdienst selbst zum Ort des Ringens, und wer etwa bei der Besprechung der Sidrah sich wirklich in den Gegenstand versenkt und um ihn gerungen hat, mit Herz und Kopf, der wird dann vielleicht auch den Segen des Mussafgebetes erleben wie kein genügsam-selbstzufriedener Gewohnheitsbeter. Doch Beten ist schwer. Es erfordert Geduld, die man gelernt haben muß. Wer es um der Sensation eines „Erlebnisses" willen *) Dem Folgenden liegen Erfahrungen aus ernsten Versuchen religiöser Gestaltung im Landschulheim Herrlingen zugrunde. 505

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