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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 479

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Ewige Aufgabe
Date
1935-02-01
Page
479 (sequence 3)
Language
German
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Ewige Aufgabe lebensmäßiger Bindungen nahezu die Gesamtlast des gemeinschaftlichen Fortbestandes zu tragen hatten. Im Lernen jeder neuen Generation wurde die Beziehung zur Tradition neu hergestellt. Im verpflichtenden Wissen der gleichen heiligen Urkunden wurden die gemeinschaftstragenden Bande durch die Zeiten und durch die Räume geknüpft. Bildung als Grundlage des jüdischen Seins und der jüdischen Erhaltung — so prägt sich unwandelbar ihr Wesen in jüdischer Sicht. Wo Bildungskrise übergreift auf den jüdischen Raum, müssen deshalb die Warner auf den Plan treten. Sie müssen prüfen, was an der Umweltsentwicklung echter geistiger Auseinandersetzung entspringt und was daher auch für den jüdischen Bereich Gültigkeit hat. Sie müssen feststellen, wo die wesenhafte Verschiedenheit der jü jenen Gruppe einen in anderen Bezirken erlaubten, vielleicht notwendigen Prozeß zu einer Gefahr für den eigenen werden läßt. Und sie müssen schließlich der großen, oft in ihrer mitreißenden Macht nicht einmal wahrgenommenen Verlockung der Hingabe an die Strömungen der Zeit den überzeitlichen Maßstab des Judentums entgegenstellen. Sie müssen sich dabei bewußt sein, daß dem Anprall eines Zeitalters gegenüber Dogmatik nicht standhält; daß wir zwar im Angesicht ewiger jüdischer Werte leben, daß aber wir Anschauenden uns nach der Gestalt des uns umgebenden Lebens formen, und daß umso sicherer der ewige Kern eines Begriffes Gewalt über uns erlangen wird, je offener sein wandelbares Gehäuse sidi der zeitlichen Wirklichkeit überläßt. Auch Bildung im jüdischen Sinne kennt solche Unterscheidung von Kern und Hülle. Gerade ihre weiter oben erwiesene überragende Leistung für Formung und Bestand des Judentums hatte sie für eine Durchdringung mit den Umweltwerten des 19. Jahrhunderts besonders empfänglich gemacht. Von diesen zeitlichen Abhängigkeiten wird der neue Auftrag, der der jüdischen Bildungsarbeit heute erteilt werden muß, teilweise absehen dürfen. Er wird um alles, was auch und was gerade jüdische Menschen durch Überschätzung individueller Höchstleistung dem Gemeinschaftswirken entzogen, aufs neue zu ringen haben. Das ist der Punkt, wo die allgemeine Krise die brüchigen Stellen auch im Bildungsbereiche der jüdischen Gruppe aufzeigt. Aber mag nun der Rhythmus des jüngsten Geschehens so rasch oder die Wucht des auslösenden Anpralls so heftig gewesen sein: schon ist es fast wichtiger, vor der Radikalität der völligen 479

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