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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 480

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Ewige Aufgabe
Date
1935-02-01
Page
480 (sequence 4)
Language
German
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Ewige Aufgabe Umkehr zu warnen als ihr nachzuhelfen- Schon erscheint die Zurückführung des Bildungsbegriffes von seiner früheren Zeitbedingtheit auf seinen legitimen Kern als das minder wichtige Anliegen, gemessen an der immer dringender sich erhebenden Aufgabe, eben den gleichen Kern gegen seine gegenwärtige Zeitbedingtheit zu verteidigen. Denn so wahr seine frühere Entartungsgefahr auf der Linie der Überschätzung des nach Bildungsuniversalismus strebenden Individuums lag, so wahr liegt die jetzige auf der Linie der Bildungsverengung und des völligen Bildungsdefaitismus. Die allgemeine Richtung zum Bildungsabbau wird durch die grundlegend veränderten Lebensbedingungen der jungen Generation, die in handarbeitenden oder kaufmännischen Berufen bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit belastet wird, entscheidend bestärkt. Es gilt also nicht mehr und nicht weniger, als einen in Verruf geratenden Wert gegen alle Mächte der Wirklichkeit zu erhalten und zu sichern — eine Aufgabe, so groß und verantwortungsbeladen, daß sie zu ihrer Bewältigung der Kräfte der Besten bedarf. Für uns deutsche Juden aber, und zumal für diejenigen unter uns, die den Fortbestand des deutschen Judentums nicht als eine Notstandsmaßnahme, sondern als eine um der jüdischen Gesamtheit willen notwendige Forderung erstreben, erhebt sich noch ein weiteres, großes, überaus schwieriges, in dieser Gestalt erstmalig von der jüdischen Geschichte aufgeworfenes Problem: wie sollen die Beziehungen zum Deutschtum beschaffen sein, die die jüdische Kultur in Deutschland auch in Zukunft als deutsch-jüdische Kultur ausweisen? Sollen sie erhalten, fortgesetzt, neu angeknüpft werden? Gibt es Maßstäbe, die eine Auswahl ermöglichen? Wo sind sie zu suchen? Alle diese Fragen, durch das Geschehen gestellt und von ihm abgelesen, können naturgemäß in einem Heft wie dem vorliegenden nicht endgültig beantwortet werden. Wichtiger als alle Antwort ist aber das Bemühen um sie. Es wird in jeder hier zu Worte kommenden Stimme spürbar sein. Und wenn sich auch all die Meinungen und Standpunkte keineswegs schon zu einer einheitlichen Richtung zusammenfügen, wenn auch Unterschiede sichtbar sind und Widersprüche klaffen — so möge doch eine Gemeinsamkeit in allen erkennbar werden, die sie stärker bindet als pedantische Grenzziehung und Uniformität: sie alle streben von Unsicherheit und Erschütterung hinweg zu einer Erneuerung des jüdischen Lebens aus dem Geiste des Judentums. E. R.-J. 480

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