Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1935)
- Article
- Sombarts "Deutscher Sozialismus" [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 462 (sequence 2)
- Language
- German
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Erich Wittenberg haben. Im Kampf gegen die Unberechenbarkeiten der Wüste bat der Mensch sich der Natur, die er nur als eine feindliche Kraft kennenlernte, entfremdet und in der siegreichen Überwindung aller sich ihm entgegenstellenden Widerslände die Überzeugung von der unbedingten Überlegenheit des Geistes über den Körper erworben. Diese schon durch äußere Einflüsse bedingte seelische Hallung wurde noch durch den Einfluß der starren verstandeskühlen jüdischen „Gesetzesreligion" befestigt. Zweckhafte Lebenseinstellung, scharfer Intellekt und eine ungewöhnliche, noch vom Wüstenleben her gebliebene Anpassungsfähigkeit mußten den Juden zu einer Führerrolle in der Wirtschaft befähigen. Der Jude ist deshalb der Schöpfer des modernen Kapitalismus geworden; d. h. nur dort, wo er hinzutrat, konnte sich diese eigenartige Wirtschaftsform im Abendland entfalten. Sombart versucht dann auf Grund eines umfassenden, aber durchaus einseitig ausgewerteten Quellenmaterials, an den großen Zentren des modernen Kapitalismus, an England, Amerika, Frankreich und Holland die Richtigkeit seiner Deutung darzutun. Gleichzeitig behauptet er den Mangel an schöpferischen Kräften im Judentum und stellt dem verträumten Nordländer die angeblich unsinnliche, nur wissenschaftlich abstrakte Natur des Juden gegenüber. Seine Unterscheidung zwischen „organisch original" und „mechanisch rational" ist seitdem in unzähligen Meinungsäußerungen zur Judenfrage wiedergekehrt. So finden wir bereits damals die Töne angeschlagen, die als Leitmotiv auch das neue Werk durchziehen: Kapitalismus und Marxismus verdanken dem verhängnisvollen Einfluß des Judentums ihre Entstehung. Nur der „deutsche Sozialismus", der, in einem vollständigen Gesinnungswandel wurzelnd, eine auf der schöpferischen Kraft der Liebe aufgebaute Pflege der Gemeinschaft herbeiführt und damit dem echten Wesen des Deutschen entspricht, kann ein Heilmittel gegen diese Verirrungen darstellen. Ein wesentlicher Unterschied besteht aber doch zwischen dem früheren Judenbuch und der jetzigen Schrift: damals verlangte Sombart noch von dem Wissenschaftler, er möge „alle Urteile über Wert und Unwert der von ihm festgestellten Erscheinungen und Zusammenhänge aus dem Bereich der wissenschaftlichen Tätigkeit auf das entschiedenste ausscheiden". Diese Auffassung, der Sombart damals auch treu blieb, verdankte nach seiner Ansicht dem dringenden Bedürfnis ihre Entstehung, „eine einzige Stelle in unserer aufgeregten Zeit vor dem Getöse der Straße zu schützen, sie gleichsam zu umfrieden, damit an ihr alle diejenigen rasten können, die, von den Leidenschaften der Willenskämpfe gejagt, sich sammeln und auf sich selbst besinnen wollen" („Judentaufen" 1912, S. 10 f.). Heute dagegen leitet Sombart aus seinen Untersuchungen schwerwiegende Werturteile und politische Folgerungen ab: „Um uns vom jüdischen Geist zu befreien — und das sollte eine Hauptaufgabe des deutschen Volkes und des Sozialismus sein —, genügt es nicht, alle Juden auszuschalten, genügt es nicht einmal, eine unjüdische Gesinnung zu pflegen. Es gilt vielmehr, die institutionelle Kultur so umzuschaffen, daß sie nicht mehr als Bollwerk des jüdischen Geistes' dienen kann" (Deutscher Sozialismus, S. ipS). 462