Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1935)
- Article
- Sombarts "Deutscher Sozialismus" [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 461 (sequence 1)
- Language
- German
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Erich Wittenberg: Sombarts „Deutscher Sozialismus Werner Sombart veröffentlicht soeben ein umfassendes Werk „Deutscher Sozialismus". Er betont darin, daß diese Schrift auch bereits vor 10—15 Jahren hätte geschrieben werden können und daß sie in 3o Jahren noch aktueller als heule sein werde. Sombart will hier in bewußter Distanz zur Tagespolitik vom Boden der nationalsozialistischen Gesinnung aus ..eine einheitliche Ansicht von den verschiedenen sozialen Problemen der Zeit geben". Auch in einer anläßlich seiner Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften gehaltenen Rede hat er diesen überzeitlichen Charakter seiner Ausführungen hervorgehoben. Man darf also mit gutem Recht seine jetzigen Darlegungen als eine Krönung seiner bisherigen Untersuchungen ansprechen. Wir haben an dieser Stelle Sombarts Beurteilung der Judenfrage in den Mittelpunkt zu stellen. Für sie beruft er sich ausdrücklich auf sein früheres Werk über dieses Problem. Bei der zentralen Rolle, die nach Sombart die Juden im modernen Wirtschaftsleben spielen, erfassen wir damit zugleich das Kernproblem seiner neuen Arbeit, die dem „jüdischen Geist", wie er sich nach seiner Meinung weit über die Wirtschaftssphäre hinaus in Religion, Kunst, Wissenschaft und Literatur seit Jahrhunderten schon verhängnisvoll auswirke, den Krieg erklärt. Denn — so meint er — der moderne Kapitalismus als Ausdrucksform unserer Zeit weise die negativen, allem Schöpferischen fernen Züge auf, die dem Juden eigentümlich seien. Dagegen will Sombart nun in titanenhafter Anstrengung im „deutschen Sozialismus" ein Gegengewicht schaffen. Es kommt also für den Wert der vorliegenden Veröffentlichung entscheidend darauf an, ob Sombart in der Tat das Ergebnis seiner früheren eingehenden Studien über das Judenproblem als unbedingt gesicherten Erfolg streng wissenschaftlicher Erkenntnis betrachten darf. Denn nur in diesem Falle dürften seine heutigen Bemerkungen über das Judentum, die sachlich genau mit dem übereinstimmen, was er in „Die Juden und das Wirtschaftsleben" als sein entscheidendes Wort hierzu gesagt hat, als wirklich bewiesen gelten. Sombarts frühere Ausführungen zur Judenfrage lassen sich etwa in folgendem kurz zusammenfassen: Die nomadische Wüstennatur hat den Israeliten Charakterzüge aufgeprägt, die sie bis in die Gegenwart bewahrt 461