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Der Morgen · 1935-01-01 · Heft 10 (Januar 1935) · p. 446

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 10 (Januar 1935)
Article
Die Wanderungsziele der sephardischen Emigranten
Date
1935-01-01
Page
446 (sequence 8)
Language
German
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Rudolf Levy Der Gouverneur Pieter Stuyvesant, ein frommer Kalvinist, zeigte keinerlei Sympathien für sie und verlangte ihre sofortige Abreise. Die Westindische Kompanie verhinderte dies, anscheinend auf eine Eingabe der Amsterdamer Juden hin. Die Juden durften ihren Wohnsitz in Neuamsterdam nehmen und Handel treiben. Verboten war ihnen die Gründung einer Kongregation, die Bekleidung öffentlicher Ämter und der Betrieb von Detailgeschäften. Auch hier zeigt sich wieder mit besonderer Deutlichkeit die eigenartige Verbindung religiöser und wirtschaftlicher Motive der Judenfeindschaft in einer Stadt, deren Bevölkerung so bunt zusammengewürfelt war, daß dort bereits im Jahre 1643 achtzehn verschiedene Sprachen gesprochen worden sein sollen. Sowohl von Seiten der christlichen Siedler wie der Verwaltung waren die Juden ständigen Schikanen ausgesetzt, bis sich einige Jahre darauf Asser Levy, ein aschkenasischer Jude, gegen diese Methoden auflehnte und die Verleihung des Bürgerrechts und die Erlaubnis zum Kleinhandel durchsetzte. So bahnte sich eine allmähliche Besserung der Lage der Juden an, bis im Jahre 1667 die Engländer die Herren des Landes wurden. In Holland hatte zu jener Zeit der Handelsgeist seine stärkste Ausprägung erfahren. Die natürlichen Vorbedingungen des Wirtschaftslebens, gewisse historisch-politische Eigenheiten und der Volkscharakter bildeten die Grundlage. Schon frühzeitig wurde der Gedanke der wirtschaftlichen Allmacht, stets verbunden mit dem der wirtschaftlichen Freiheit, als amtliches Prinzip, als bewußter Staatsgrundsatz verkündet. Die Stadt, von der Handelsbourgeosie aristokratisch-oligarchisch regiert, bestimmte den Gang der politischen und wirtschaftlichen Dinge. Der um jene Zeit sich entwickelnde Kapitalismus betätigte sich zunächst in der Reederei, in der Fischerei und in kolonialen Unternehmungen. Hatte sich schon zu Ende des 16. Jahrhunderts der Geld- und Wechselhandel in Holland entwickelt, so stehen am Beginn des 17. Jahrhunderts einige wichtige wirtschaftliche Ereignisse, die diese Zeit als Ausgangspunkt der Blüte der holländischen Handelsmacht kennzeichnen. Im Jahre 1602 wurde die Ostindische Kompanie gegründet. 1608 wurde der Grundstein zur Amsterdamer Börse gelegt. 1609 wurde die Amsterdamer Wechselbank errichtet. Holland wurde zu jener Zeit zur europäischen Geldmacht und zur Hohen Schule des kapitalistischen Geistes. So bildeten die Niederländer ein Volk, das sich in seiner Staatsform und in seiner sozialen Struktur in den wesentlichen Grundzügen von den anderen europäischen Völkern unterschied, deren damalige historische Gestalt mit dem Schlagwort Barock gekennzeichnet wird. Führte überhaupt erst die revolutionäre Trennung von der katholischen Monarchie Spaniens zur Bildung der Republik der Vereinigten Provinzen, so gab der Geist der re- 446

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