Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1935)
- Article
- Die Wanderungsziele der sephardischen Emigranten
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 445 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wanderungsziele der sepkardischen Emigranten der jüdischer Siedler und Kaufleute, meist aus der portugiesischen Zeit, in Brasilien bestand, als jetzt jüdische Flüchtlinge — fast alle mittellos — aus allen Teilen der Welt, vor allem aber sephardische Juden aus Holland und Portugal, in großer Zahl dorthin kamen. Jetzt wurden der Kleinhandel und das Maklergewerbe jüdische Domänen. Reibungen mit den Christen blieben nicht aus. Die wachsende jüdische Konkurrenz und die rasche Zunahme des jüdischen Elements beunruhigte Protestanten und Katholiken. Vor allem der reformierte Kirchenrat bemühte sich, Einwanderungsverbote für Juden und ein Verbot für den Bau einer Synagoge zu erwirken. Judenfeindliche Schreiben schärfster Tonart wurden von christlichen Kaufleuten dem Gouverneur überreicht. Johann Moritz verstand es jedoch, die Gegensätze immer wieder auszugleichen. Als aber in den Jahren 1642—1644 schlechte Zuckerernten zu einer schweren allgemeinen Krise führten und Johann Moritz, der nicht mehr das Vertrauen der Kompanie besaß, seinen Abschied nahm, ging es mit der holländischen Herrschaft zu Ende. Die portugiesische Bevölkerung erhob sich. Zwischen Holländern und Portugiesen wurden erbitterte Kämpfe geführt. Der Fall von Pernambuco (Recife) im Jahre 1654 machte dem brasilianischen Experiment der Holländisch-Westindischen Kompanie ein Ende. Mit den Holländern wurde auch den Juden freier Abzug gewährt. Nur einige Marranen blieben auf die Gefahr hin zurück, in die Hände der Inquisition zu geraten. Einige von ihnen erlitten denn auch später den Flammentod in Lissabon. Die Marranen Brasiliens sind schließlich ganz und gar in der katholischen Bevölkerung aufgegangen. Die brasilianischen Sepharden wanderten in verschiedene Gegenden Amerikas weiter. Ein Teil ging nach Guyana, das zu jener Zeit der Schauplatz englisch-niederländischer Seekriege war und schließlich für lange Zeit zwischen Frankreich und Holland geteilt wurde. Auch dort erlangten die Juden auf Grund ihrer Erfahrungen im Zuckerbau und Zuckerhandel Bedeutung. Dies veranlaßt^ wohl die Engländer, während sie Surinam besaßen, entgegen ihrer bisherigen Übung, den jüdischen Kolonisten die Rechte des englischen Bürgers zu geben und ihnen die Sicherheit ihres Eigentums zu gewährleisten. Aus den französischen Kolonien Westindiens — Guadeloupe, Martinique, West-Haiti — wurden die Juden nach anfänglicher Duldung durch die Behörden unter dem Einfluß der geistlichen Orden im Jahre 1683 vertrieben, ohne daß das jedoch das völlige Verschwinden der Juden zur Folge gehabt hätte. Dreiundzwanzig Juden landeten im Jahre des Falls von Recife in Neuamsterdam, dem späteren New York, und sollten so die Stammväter der nordamerikanischen Judenheit werden. Sie kamen mittellos an und baten den Magistrat um Unterstützung. 445