Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1935)
- Article
- Die Wanderungsziele der sephardischen Emigranten
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 443 (sequence 5)
- Language
- German
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- Safed 1× ep/1046078
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Die Wanderungsziele der sephardischen Emigranten kei kamen sie. Die türkischen Herrscher wußten — im ständigen Kampf mit dem christlichen Abendland — den Wert der jüdischen Besiedlung wohl zu schätzen. Das Prinzip der Autonomie auf religiöser Basis erleichterte die Einordnung. Nicht nur aus Spanien und Portugal, sondern aus ganz Europa kamen die Juden nach der Türkei. Lange Zeit hindurch lebten die Sephardim, die Aschkenasim und die griechisch-italienischen Romanioten, die sich alle wieder in kleinere, nach der jeweiligen Herkunft bestimmte Gemeinden teilten, streng gesondert nebeneinander und sprachen auch die Sprache ihrer alten Heimat. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gab es in Konstantinopel, wo etwa fünfzigtausend Juden wohnten, nicht weniger als vierundzwanzig verschiedene Synagogengemeinden. Der Handel nahm, gefördert durch die großen internationalen Beziehungen der sephardischen Juden, einen bedeutenden Aufschwung. In der Kriegstechnik wußten die aus Spanien geflüchteten Marranen die Türken mit wichtigen Neuerungen der damals sich entwickelnden Feuerwaffen vertraut zu machen. Auch die bisher in der Türkei unbekannte Buchdruckerkunst wurde von den Juden eingeführt und ausgebildet. Zahlreiche Werke des mittelalterlichen jüdischen Schrifttums, in erster Reihe des sephardischen, wurden damals gedruckt. Die Blütezeit des jüdischen Zentrums in der Türkei fiel zusammen mit der größten Machtausdehnung des Osmanenreichs unter Soliman dem Großen (1520—1566). Juden wurden Berater des Sultans, so Moses Hamon und vor allem Joseph Nassi, der unter Selim II. Herzog von Naxos wurde und als Ratgeber und Diplomat großen Einfluß besaß. Unter seiner Förderung wanderten, als im Jahre 1517 der türkische Sultan Selim I. dem ägyptischen Mameluckensultan unter anderem auch Palästina entriß, viele Sephardim, die zunächst in der Türkei Aufnahme gefunden hatten, dorthin weiter. Das Zentrum der neuen jüdischen Siedlung in Palästina wurde jedoch nicht Jerusalem, in dem die christlichen Wallfahrer und Mönche und die muselmanischen Derwische ein jüdisches Leben nahezu unmöglich machten, sondern die Stadt Safed in Galiläa. Der von dem Rabbiner Jakob Berab unternommene Versuch, dort einen alljüdischen geistigen Mittelpunkt zu schaffen, gelang nicht. Aber Rabbinismus und Mystik blühten auf, und in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts entstand in Palästina die praktische Kabbala. Mit dem Verfall des Osmanischen Reichs, der mit dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts einsetzt, beginnt auch der soziale Niedergang der Judenheit dieses Reichs. Mit dem Ende der Geschichte der Juden in Spanien beginnt ihre Geschichte in Amerika. Im gleichen Jahre, in dem die Juden 443