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Der Morgen · 1935-01-01 · Heft 10 (Januar 1935) · p. 435

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 10 (Januar 1935)
Article
Mußkaufmann?
Date
1935-01-01
Page
435 (sequence 3)
Language
German
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Der junge Kaufmann Um eines habe ich die Studenten stets beneidet: darum, daß sie Zeit für sich und Dinge der Bildung hatten, so wenig sie das oft zu nützen wußten. Uns bleibt nur, viel hineinzudrängen in die Lernjahre, denn der junge Kaufmann schon ist auch ein mitverantwortlich Schaffender und die menschliche Bildung muß mit der sachlichen gehen. Bald wirst Du dabei sehen, es geht nicht, ohne innerlich ganz dabei zu sein. Broterwerb, um sonst anderen Neigungen zu dienen, ist keine Berufsauffassung. Denn eine andere Seite kommt noch hinzu oder wächst daraus: mit Menschen umzugehen und sich Achtung zu schaffen. Manchem ist es gegeben, daß er das von selbst kann — das ist nicht nur in unserem Beruf wertvoll —, darüber hinaus aber braucht es zumal für den jungen Juden Selbsterziehung zu Charakter und Haltung, Bildung des Wissens und Urteils, Zuverlässigkeit und Weitblick. Es gibt keinen Königsweg, und die Gesinnung, die unsere Freunde brauchen, um etwa in Palästina auf ganz andrer Grundlage zu beginnen, ist hier genau so am Platz: das Ideal in sich zu tragen, aber jedem Anspruch des Alltags gewachsen zu sein. Vielleicht fragst Du nun, was bekomme ich dafür? Denn wenn der Beruf das alles verlangt, ist es nicht eben wenig. Was Du ihm gibst, gibt er Dir. Mehr als bei anderen Berufen ist es so, daß das, was Du für Deine Arbeit tust, Dir auch menschlich zugute kommt. Vielseitigkeit des Wissens und der Erfahrung, Selbständigkeit, Weltoffenheit und Einfluß, das ist auch menschlicher Gewinn; lebendige Beziehung, die auf Vertrauen aufbaut und aus dem geschäftlichen Bereich herausweist, kann hohe Befriedigung sein. Auf solchem Boden mag wohl ein ganzer Kerl wachsen. Dann noch ein Wort über Geld. Wir alle wissen wohl, daß Mangel an sich keine Tugend ist, aber die Stellung zum Besitz ist bei vielen Jüngeren unsicher und schief. Freilich gibt es genug unerfreuliche Typen des Besitzes gerade auch in den Reihen der Kaufleute, aber das beweist nur etwas gegen diese Menschen. Wir wollen ja keine Krämer werden, sondern dem Bild, das wir von einem wirklichen Kaufmann haben, nahekommen. Ob unsere kaufmännische Tätigkeit auch heute auf lange Sicht zu Wohlstand führt, wissen wir nicht — Sicherheit haben wir so wenig wie andere Berufe. Wenn aber, so glaube ich, daß wir diesen Weg mit gutem Gewissen gehen dürfen, wenn wir nur eine Voraussetzung erfüllen: Anerkennung der Verpflichtung, die aus Besitz erwächst. Helfen, wenn man es kann, ist nicht nur Pflicht, sondern Freude, persönliche Kultur heißt zugleich Förderung für Wissen und Forschung, Kunst und Künstler. Wichtigste Errungenschaften und Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft, ja sogar des deutschen Volkes, danken ihr Vorhandensein jüdischem Wohlstand, der die rechte Auffassung von seinen Pflichten hatte. Vom 435

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