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Der Morgen · 1935-01-01 · Heft 10 (Januar 1935) · p. 436

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 10 (Januar 1935)
Article
Mußkaufmann?
Date
1935-01-01
Page
436 (sequence 4)
Language
German
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Der junge Kaufmann Bestand und von der Leistungsfähigkeit dieser leider immer schmäler werdenden Grundlage hängt heute geradezu die Zukunft des deutschen Judentums ab. Sollen wir nicht wünschen, was wir doch brauchen? Weniger als in Berufen, die geistigen Bezirken sichtbar nahe stehen, wird unter den nüchternen Menschen der Wirtschaft von inneren Voraussetzungen unseres Berufes gesprochen. Es ist auch meist nicht nötig. Wer keine Leistung aufzuweisen hat, soll nicht reden und die, denen es zukäme, können es billig der Welt überlassen, sich ihren Vers selbst zu machen. In unserer heutigen Lage sind manche hohen Ziele in weite Ferne gerückt. Aber auch wenn wir nur auf das Erreichbare schauen, — und das wird für sehr viele über eine schmale Lebensbasis nicht hinausgehen — hat der Kaufmann einen wichtigen Platz innerhalb des deutschen Judentums auszufüllen. Es kommt allein darauf an, daß er seinen Beruf richtig auffaßt. Dann ist unser Stand zwar in seinem Wirken, nicht aber in seinem Wesen von der Zeit abhängig, nicht Rückzugssondern Aufbaustellung. Rudi Bach Der Kaufmann: Geschichtsträger Israels In die Annalen des deutschen Judentums im Jahre des nationalsozialistischen Umbruches hat der Kaufmann sein menschliches Ruhmesblatt eingetragen. Wer ist dieser bürgerliche Jude, auf den die eigene Jugend mehr oder minder mitleidig herabzusehen sich gewöhnt hatte? „Mein Vater, der Kaufmann, spielt in der Loge Skat", hieß es in einem Spottvers, der in der jüdischen Jugendbewegung um Kriegsende die Runde machte. Es ist wahr, daß dieser jüdische Bürger bis zuletzt an die liberal-fortschrittliche Welt glaubte, in der er groß geworden war. Er hat — mit wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen — seine eigenen Kinder nicht verstanden. Die Kinder wieder warfen mit den Gesellschaftsformen auch den Beruf des Vaters zusammen und erklärten seine geistige Unzulänglichkeit aus seiner „unproduktiven", „händlerischen" Existenz. „Nieder mit den Verdienern", war das Kampfgeschrei des Jugendtages von 1918. Das Frühjahr 1933 schied zwischen Drohnen- und Arbeits- Existenzen. Wenn die Gleichschaltung Unternehmen traf, die ihre Ausdehnung mit Hilfe fremder Mittel finanziert hatten und jetzt der Weisung der Geldgeber folgen mußten, so ist dies bedauerlich besonders der jüdischen Arbeitnehmer wegen, die im Zuge der Umstellung aus ihren bisherigen Arbeitsplätzen auszuscheiden hatten. Aber die Gleichschaltung war für den Herrn Generaldirektor doch eigentlich nur die Auswirkung des Risikos, das er sich aus freien Stücken nach wirtschaftlichen Spielregeln zugemutet hatte. Etwas 436

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