Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1934)
- Article
- Rund um ein Lexikon [Rezension]
- Date
- 1934-12-01
- Page
- 417 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- OCR quality
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Rund um ein Lexikon streben, die Aktualität des Handbuchs bis zum letzten Tag zu erreichen, wurde zum Beispiel die Karte über die Verteilung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, als endlich Ende Oktober die Ergebnisse der Volkszählung veröffentlicht wurden, ein zweites Mal gezeichnet und gedruckt. Es war möglich, z. B. den Tod des Verlegers Fischer und den des Barons Edmond de Rothschild noch zu berücksichtigen. Das Aufgehen der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" in die „Jüdische Allgemeine Zeitung" konnte zwar im Artikel Presse nicht mehr gebracht, aber auf der Pressetafel noch vermerkt werden. Und zum Schluß soll noch etwas aus der Schule geplaudert werden. Wie selbstverständlich sieht solch eine fertige Seite im Buch aus! Das Bild steht, wie es sich gehört, neben oder über oder unter seinem Stichwort. Wer aber von alle denen, die das Buch benützen, weiß, was allein diese Äußerlichkeiten oft für Schwierigkeiten bieten? Es ist nicht selbstverständlich, daß die Karte der Vereinigten Staaten neben dem Stichwort steht, daß die Tabelle der Erfinder direkt auf das Stichwort folgt. Oft mußten Zeilen gestrichen oder hinzugefügt werden, um das zu erreichen. Da sitzt man nun da und überlegt, was kann zwischen „Vereinigte Staaten" und „Versöhnungstag" eingefügt werden, um zwei Zeilen zu füllen — und es entsteht das Stichwort „Versorgungsrecht, siehe Kriegsopfer". Oder aber: zwischen „G. V.-Zeitung" und „Gzernowitz" müssen fünf Zeilen gestrichen werden. Schon ist man entschlossen, „Cyrus" zu opfern. Da kommt der Genieblitz: „Cypern" wird zum Buchstaben Z verwiesen. Oder die beiden Bilder zum Stichwort „David Schwarz", das Porträt des Erfinders und das Bild seines Luftschiffs, wollen und wollen nicht auf eine Seite gehen. So kommt die Illustrierung des Stichworts „Erfinder" zustande: die Bilder wurden auf zwei Stichworte verteilt. Nun ist das Buch erschienen, mit allem, was sich verwirklichen ließ, und auch mit den Mängeln, die einem solchen Erstling noch anhaften. Vollständigkeit wurde nicht erstrebt und nicht erreicht. Es war der erste Versuch, auf so knappem Raum das Judentum zu umspannen. So sollte der Benutzer es aber nicht nur als Nachschlagewerk betrachten: er sollte es lesen. Nicht von A—Z, sondern mit einem Stichwort beginnend, um sich von ihm kreuz und quer durch alle Seiten leiten zu lassen. Der Leser sollte sich einen Sport daraus machen, durch sinnvolle Verbindung einzelner Stichwörter den Inhalt ganzer Teilgebiete des jüdischen Wissens zu erkennen. Denn über allen Einzelheiten, aus der Summe der Worte und der Summe der Bilder soll vor ihm als Ganzes erstehen: Das Judentum. Das November-Heft anhielt u.a.: Ignaz Maybaum: Die jüdische Geschichte des deutschen Judentums / Hugo Bergmann: Die religiöse Situation in Palästina / Rudolf Hallo: Die chrisllicheWissenschaft vom Judentum / Hennan Schmalenbach: Karl Joel / F. H.: Treitschke und das Judentum seiner Zeit. Im. Januarheft schreiben u. a. R. Levy: Das Minoritäienschutzrechl / Hanns Reißner: Lob des Kaufmanns / Paul Landau : "Wandlungen des gesellschaftlichen Lebens / Regina Barkan : Nietzsches Begegnung mit dem Judentum. 417