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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 416

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
Rund um ein Lexikon [Rezension]
Date
1934-12-01
Page
416 (sequence 3)
Language
German
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Otto Neuburger Alphabet auch jeden der 22 Buchstaben in eigenem Stichwort zu behandeln, wie auch etwa jeden Kalendermonat und jeden der 63 Talmudtraktate. Zuletzt war die Frage der Bebilderung zu entscheiden. Hier waren drei Gesichtspunkte maßgebend: Die Bilder und Tafeln sollten nicht nur zur Hlustrierung der Stichworte beitragen, sie sollten gleichzeitig auch das jüdische Kunstschaffen durch die Jahrtausende hin versinnbildlichen. Hieraus ergab sich der Grundsatz, möglichst nur Darstellungen jüdischer Künstler zur Blustrierung heranzuziehen, und aus der besonderen Form des Lexikons der weitere, statt allzubekannter Bilder möglichst neuartige zu reproduzieren oder durch die Art der Darstellung Besonderes zu geben. Die nächste Sorge galt der Raumverteilung und der Auswahl der Mitarbeiter. Hand in Hand mit dieser Arbeit ging die Anlage der Stichwörterkartothek. Jede Karte zeigte durch ihre Farbe das Fachgebiet, enthielt den Umfang des Stichworts, den Namen des Bearbeiters und alle notwendigen technischen Vermerke. Für die Auswahl der Stichworte wie für ihren Umfang gaben, mit Ausnahme des umfangreichen aktuellen Teils, die vorhandenen Werke einen ungefähren Ausgangspunkt. In jedem einzelnen Fall aber hatte der Sachbearbeiter nachzuprüfen, ob nicht die Entwicklung der letzten Jahre die Bedeutung des einen Begriffs erheblich gemindert, die eines anderen etwa besonders verstärkt habe. Daß das nur Anhaltspunkte sein konnten, erhellt schon daraus, daß z. B. für das Stichwort „Geschichte", dem das „Jüdische Lexikon" 12 Seiten einräumen konnte, nur eine Seite zur Verfügung stand. Zahlreiche Spezialwerke mit ihren ausführlichen Registern und Literaturverzeichnissen, die fast für jedes Gebiet des Judentums vorhanden sind, boten weitere wertvolle Hilfsmittel. Die Auswahl der Mitarbeiter war leicht und schwer zugleich. Es fehlt im deutschen Judentum nicht an geeigneten Köpfen; doch hier kam es nicht nur auf das Wissen allein an, sondern darauf, daß der Bearbeiter imstande war, seine Spezialkeimtnisse auf eine knappe, klare und doch instruktive Form zu bringen. Sich diesem notwendigen Prinzip sparsamer Raum Verteilung beugen, hieß für den Mitarbeiter unter Umständen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse jahrelanger Arbeiten auf vielleicht 20 Zeilen darstellen zu müssen. In welch verschiedener und doch wirksamer Form diese schwierige Aufgabe zu erfüllen war, zeigen etwa die Stichworte „Judentum", „Hellenismus", „Christentum", „Deutschland", „Talmud", „Ariergesetzgebung", „Kunst", „Palästina" u. a. Hier hat die Redaktion viele Enttäuschungen, aber auch manche Freude erlebt. Diese großen Übersichtsartikel sollen für den Benutzer des Lexikons gleichzeitig Ausgangspunkt des Lesens sein. In ihnen wurde das wissenschaftliche Lehrprinzip maßgebend, vom Allgemeinen zum Besonderen fortzuschreiten, das auch für die Gruppenstichwörter gilt. Wo aber die Fülle des Stoffes Vollständigkeit ausschloß, half eine typologische Einteilung; so etwa bei den „Jargonausdrücken" u. ä. Langsam, oft viel zu langsam liefen die Stichworte der Bearbeiter ein. Sie brachten der Redaktion die neue Arbeit der Sichtung, der Nachprüfung und Drucklegung — eine Arbeit, die sich durch Wochen bis spät in die Nacht hinein erstreckte. Wie oft kam es vor, daß ein neuer Buchstabe in Satz gehen sollte, für den aber ein wichtiges Stichwort noch fehlte, weil, aus den verschiedensten Gründen, alle Briefe, Telegramme, Telefonanrufe nichts gefruchtet hatten, so daß die Redaktion in letzter Minute das Stichwort doch noch selbst bearbeiten mußteI In dem Be- 416

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