Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1934)
- Article
- Rund um ein Lexikon [Rezension]
- Date
- 1934-12-01
- Page
- 415 (sequence 2)
- Language
- German
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Rund um ein Lexikon den Ereignissen des Jahres 1983 zu verdanken habe. Der Plan war oft erörtert worden. Anfangs scheiterte seine Verwirklichung an der Uninteressiertheit des Publikums: als dieser Gesichtspunkt in den Hintergrund trat, schienen die äußeren Umstände abermals eine Vertagung auf lange Sicht zu erzwingen. Im Frühjahr io,34 entschloß sich der Verlag, zunächst durch eine Subskription die finanzielle Grundlage des Planes auf ihre Tragfähigkeit zu prüfen. Das Ergebnis rechtfertigte den Versuch. Welche Aufgabe war der Redaktion gestellt? Sie mußte auf 4oo Seiten Kleinformat unter Vermeidung aller unnötigen Kosten — denn das fertige Werk sollte für jeden erschwinglich bleiben — in knappster Fassung Religion und Geschichte, Leistung und Leben des Judentums populär und doch auch der Wissenschaft genügend darstellen. Die Tradition des Verlags verlangte eine würdige, zweckentsprechende Ausstattung. Das waren die Gegebenheilen, mit denen die vier Herausgeber zu rechnen hatten, als sie sich zur ersten Redaktionssitzung trafen. Vier Ressorts wurden geschaffen: Büroleitung und volkswirtschaftlicher Teil; Geschichte und Religion; Kunst, Literatur und Bebilderung; Wissenschaft, Apologetik, Drucktechnik. So stand die Abgrenzung auf dem Papier. In der Praxis stellte sich schon nach wenigen Tagen ein Miteinanderarbeiten ein, das bald keine Unterscheidung der Ressorts mehr zuließ, da jeder sich auch für den anderen verantwortlich fühlte. Zu Ende der ersten Woche fand die zweite Redaktionssitzung statt. Jeder hatte für sein Gebiet die Stichworte bestimmt, die aufgenommen werden sollten. Sechstausend Einzelstichworte und Namen waren es, die nun auf rund fünftausend vermindert werden mußten. Abgrenzungen wurden besonders nach zwei Seiten notwendig: zum hebräischen Sprachgut einerseits, zum allgemeinen Wissen andrerseits. Da der deutsch-jüdische Kulturkreis in erster Linie zu berücksichtigen war, durfte das Lexikon nicht zum hebräischen Wörterbuch werden. Hebräische Slichworte fanden daher nur in dem Maß Aufnahme, wie sie als religiöse Fachausdrücke des Kultus und der Geschichte unentbehrlich sind. In vielen Fällen konnte die Verweisung auf das entsprechende deutsche Stichwort genügen. Stichworte des allgemeinen Wissens konnten nur im Hinblick auf jüdische Perspektiven eingereiht werden. In dieser Beziehung kann ein kleines jüdisches Lexikon nur ergänzend neben die allgemeinen Konservationslexika treten. Diese Abgrenzung ergab schon eine wesentliche Verminderung der Stichwortzahl. Bald stellte sich heraus, daß die große Zahl der Einzelbiographien das Lexikon über Gebühr belasten und andere wesentlichere Gebiete in den Hinlergrund drängen würde. Der Überlegung, wie diesem Mangel abgeholfen werden könne, verdankte die Idee der „Gruppenstichwörter" ihre Entstehung. Es zeigte sich dabei, daß die gruppenmäßige Vereinigung keineswegs ein Notbehelf sein, sondern als neues Mittel lexikographischer Zusammenschau die Lebensleistungen der Juden in besonderer Deutlichkeit darstellen werde. So entstanden also zum Beispiel die große Schrifttumstabelle, die der Erfinder, Entdecker, Nobelpreisträger, der Wochenabschnitle, der Bücher der Bibel, der berühmten Stücke der Bibel; die Stichworte Architekten, Buchhandel, Dirigenten, Film, Hebraisten, Journalisten, Mediziner, Philosophen, Schrifttum, Stiftungen, Wellliteratur und viele andere. Dieser Zusammenfassung des Stoffes gegenüber drängte andererseits der Charakter des Nachschlagebuchs dazu, bestimmte Stoffe in ihre Einheiten aufzulösen. So erschien es wichtig, neben dem Stichwort 415