Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1934)
- Article
- Schicksal in Zahlen
- Date
- 1934-12-01
- Page
- 405 (sequence 3)
- Language
- German
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Schicksal in Zahlen der religiös Gemeinschaftslosen von 1925 auf 1933 mit 2,44 gegen 1,44 Mill. fast verdoppelt hat Als Ausgleich zu den Austritten sind im letzten Jahre in kleinem Umfang Wiedereintritte ins Judentum erfolgt. Eindeutig steht trotzdem fest, daß der größte Teil der Verminderung auf die Auswanderung zurückzuführen ist. Diese Auswanderung rührt wohl hauptsächlich aus dem ersten Halbjahr 1933 her; sie ist inzwischen weiter angestiegen und dürfte bis heute die Zahl der deutschen Juden auf etwa 460000 vermindert haben. An der Auswanderung zunächst beteiligt waren fremde Staatsangehörige bzw. die zuletzt, also erst in den letzten Jahrzehnten zugewanderten. Diese Schicht hatte bisher das Bild der Gesamtentwicklung des deutschen Judentums etwas verwischt, denn der ständige Zustrom, im Krieg und kurz danach noch vermehrt, in den letzten fünf Jahren allerdings fast versiegt, hatte dem deutschen Judentum zahlenmäßig die Verluste durch Sterbeüberschuß ersetzt. Der Strom ist nun rückwärts geflossen oder, verstärkt durch einen Teil der deutschen Juden, nach anderen Ländern weitergezogen. Innerhalb dieser allgemeinen Entwicklungslinien sind aber im deutschen Judentum verschiedene Tendenzen der Umgruppierung und Zusammenballung festzustellen. Die Wanderung vom Land in die Stadt, die seit der Emanzipation, von keinem Rückschlag unterbrochen, angehalten hat, fand weiter ihre Fortsetzung. Weite Gebiete, in denen noch vor 40, sogar noch vor 20 Jahren große alte Judengemeinden bestanden haben, sind heute nahezu judenleer. Die Verteilung der Juden in den Kleingemeinden wird später noch zu untersuchen sein. Die Zusammenballung in den großen Städten und vor allem in Berlin ist, im Gegensatz zur Entwicklung unserer Umwelt, nicht aufgelockert worden. Bei der Volkszählung 1925 war gegenüber der vorhergehenden von 1910 das Wachstum der Berliner Jüdischen Gemeinde mit 28 000 Köpfen größer als die Gesamtzunahme von 26000 in ganz Deutschland. Außer Berlin hat damals nur Sachsen eine ähnliche Erhöhung gehabt. Die Tendenz ging also sichtbar auf einen Zustrom nach Industrie- und Handelszentren. Bei der Volkszählung 1933 ist die jüdische Bevölkerung Berlins zwar ebenfalls zurückgegangen, aber die Verminderung steht mit 7,1 o/o weit unter dem Reichsdurchschnitt. Die jüdische Bevölkerung Berlins umfaßt heute 32o/0 der deutschen Juden gegen 30o/o im Jahre 1925 und 260/o im Jahre 1910. In den Großstädten über 100000 Einwohner lebten 1933 70,8o/0 der jüdischen 'Gesamtbevölkerung gegen 66,8o/0 bei der Volkszählung von 1925. Weitere 13,8o/0 leben in Städten von 10000 bis 100000 Einwohnern, in Gemeinden von unter 10000 Einwohnern waren 1933 noch 77 000 Juden seßhaft gegen 97 000 bei der Volkszählung 1925. Es leben also noch 15,4 o/0 aller deutschen Juden auf dem Lande gegen 17o/0 1925. Wir haben versucht, die 405