Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1934)
- Article
- Schicksal in Zahlen
- Date
- 1934-12-01
- Page
- 404 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Lothar Bauer völkerung des Deutschen Reichs von 499682 Köpfen, darunter 238747 männlich und 260935 weiblich. Dies ist gegenüber der letzten vorhergehenden Volkszählung von 1925 eine Gesamtabnahme von ll,5o/0, eine Abnahme der Männer um 35 703 13,0o/0 und der Frauen um 28924 — 10,0<y0. Demgegenüber ist die gesamte deutsche Bevölkerung um 4,5 v. H. gewachsen, darunter die Männer um 4,9 und die Frauen um 4,1 o/0. Es ist bekannt, daß sich der jüdische Bevölkerungsteil in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten anders zu entwickeln pflegt als die Gesamtbevölkerung. In den letzten 80 Jahren ist der prozentuale Anteil der deutschen Juden, der heute 0,77 beträgt, fast auf die Hälfte zurückgegangen. Daran waren verschiedene Ursachen schuld, deren wichtigste, weil für den Bevölkerungsaufbau und die Zukunft grundlegende, in der Überalterung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland liegt. Das System der Einkinderehe oder Keinkinderehe, die Mischehen mit ihrer Entfremdung und schließlich schon in früheren Jahren die Auswanderung junger Menschen lassen ein Bild des Bevölkerungsaufbaues entstehen, dessen Folgen nicht auszudenken sind. Auf einem ganz schmalen Sockel von Jugendlichen, deren Generationen durch den natürlichen Rückgang im Krieg geschwächt sind, ruht eine teilweise um das Doppelte stärkere Schicht der Altersklassen von 50 Jahren aufwärts, wobei die Zahl der Frauen und, infolge der in früheren Generationen üblichen späten Heirat des Mannes, der Witwen die der Männer noch übersteigt. Die Altersschichtung der jüdischen Bevölkerung nach der neuen Volkszählung ist noch nicht ausgezählt, aber auch sie wird für die Zukunft wenig beweisen, denn die jungen Jahrgänge sind in den letzten Monaten durch Abwanderung weiter verringert worden. In der Überalterung liegt wohl das schwerste soziale Problem der jüdischen Zukunft in Deutschland. Die Verminderung durch Sterbeüberschuß zwischen 1925 und 1933 hat man auf rund 25 000 Seelen beziffert. Nahezu 40000 entfallen also auf Abwanderung und Austritt. Die Austritte mögen bis 1931 eine Rolle gespielt haben, wenn auch wahrscheinlich in sinkender Linie und weitgehend aus Gründen, die seltener mit religiöser Überzeugung, eher wohl mit den Kultussteuern in Zusammenhang stehen. Da die Ausfüllung des Volkszählungsbogens dem Einzelnen vollständig überlassen ist und eine Kontrolle der Angaben nicht vorgenommen werden kann, ist es schwer zu sehen, ob Austritte aus den jüdischen Gemeinden als den Steuerträgern von den Beteiligten als Austritte aus dem Judentum eingetragen werden. Bedauerlicherweise ist die Statistik der jüdischen Gemeinden nicht so aufschlußreich, daß aus ihr Angaben über ihre Mitgliederzahl eindeutig zu entnehmen wären. Es ist immerhin interessant, aus der Statistik des Reichs festzustellen, daß sich die Zahl 404