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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 406

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
Schicksal in Zahlen
Date
1934-12-01
Page
406 (sequence 4)
Language
German
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Lothar Bauer prozentuale Ziffer dieser Landjuden an der gesamten Landbevölkerung aufzustellen: der Anteil der Juden auf dem Land ist nur 0,23 o/0 der gesamten Landbevölkerung, wogegen in Berlin 3,8o/0 und in Frankfurt a.M. 4,7o/o der gesamten Einwohnerschaft sich als Juden bekannt haben. Aus einem Überblick über die Gruppierung der jüdischen Bevölkerung innerhalb der Verwaltungsbezirke und Länder geht die außerordentlich starke Abnahme einzelner Gebiete noch deutlicher hervor. Es läßt sich daraus ersehen, daß in Gegenden, in denen die Zahl der Juden an sich gering war, die Abwanderung wesentlich stärker ist. Dies mag teilweise darauf zurückgehen, daß Sammlungstendenzen in Großstädten bestanden, zum Teil aber auch darauf, daß die jüdische Bevölkerung in diesen Gegenden erst in später Zeit seßhaft geworden war. Den stärksten Rückgang unter den vorwiegend ländlichen Bezirken seit 1910 hat Mecklenburg mit fast 40 o/0, ihm folgen Anhalt und Lippe um rund ein Drittel, Pommern und Ostpreußen mit etwa 30o/0, die Grenzmark, Hessen und Bayern um ein Viertel. Bei diesen Gebieten handelt es sich teilweise um den Sitz großer alter Judengemeinden in der Stadt und auf dem Land. So sind in den noch bei Deutschland verbliebenen ehemals posenschen Gebieten heute fast keine Juden mehr, so haben sich die anhaltischen und mitteldeutschen Gemeinden sehr verringert. Bei der Volkszählung 1925 hatten die Juden neben Berlin und Sachsen besonders in Niederschlesien, Brandenburg und der Rheinprovinz zugenommen. Dagegen war der Rückgang am stärksten in Bayern und in Hessen, wobei noch Frankfurt a. M., München und Nürnberg einen Teil der Abwandernden aufgenommen hatten. Es war also damals deutlich eine Tendenz der Zunahme der Juden in den norddeutschen und rheinischen Städten und südöstlich von Berlin festzustellen gegenüber einem erheblichen Rückgang im Süden. Diese Tendenz, die durch die Zuwanderung aus dem Osten besonders beeinflußt war, hat nicht angehalten. Wohl ist zwischen 1925 und 1933 die Zahl der Juden in Bayern um 17,4, in Baden um 14,3 und in Hessen um 12,3o/0 gesunken, aber auch der preußische Gesamtdurchschnitt (ohne Berlin) ging um 12,5o/0 zurück. Am geringsten war aber die Verminderung der Juden in Württemberg, wo die Zahl zwischen 1925 und 1933 nur um 7,4o/0 sank, also im selben Verhältnis wie Berlin. Die jüdische Bevölkerung Stuttgarts hat sich nur um 58 Köpfe vermindert. Die Zahl der Juden in den vier süddeutschen Ländern insgesamt ist aber von 1910 auf 1933 von 117058 auf 90467 zurückgegangen, d.h. doppelt so stark wie der Gesamtdurchschnitt. Die süddeutschen Juden machen danach nur noch 18o/0 der Gesamtzahl aus gegen 21,So/0 im Jahre 1910. Zahlreicher sind heute die westdeutschen geworden, denn fast 20o/0 der deutschen Juden wohnen in den beiden preußischen Provinzen Hessen-Nassau und Rheinprovinz. 406

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