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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 349

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
Die religiöse Situation in Palästina
Date
1934-11-01
Page
349 (sequence 5)
Language
German
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Die religiöse Situation in Palästina irdischen Imperialismus, die Galuth zur politischen Irredenta, die Erlösung zur Staatsbildung. So setzt z. B. der neue Jischuw unmittelbar nach dem Schewuoth-Fest, das als Feier der Offenbarung kaum mehr gefühlt wird, ein Fest der Erstlinge des Ackers ein. Diese Verendlichung und Konkretisierung der religiösen Begriffe wird in Palästina noch gefördert durch die konkrete Nähe der Stätten, auf welchen sich das biblische Geschehen abgespielt hat. Gerade das große Verstehen der biblischen Realien legt ein Mißverständnis des Geistes der Bibel nur allzu nahe. Die vorstehenden Ausführungen, welche offen alle negativen Momente unserer Frage aufzeigen, legen einen Pessimismus in bezug auf die religiöse Entwicklung in Palästina nahe. Aber wir sagten schon, daß es äußerst schwer ist, allgemeine Folgerungen zu ziehen. Soviel scheint sicher, daß das palästinensiche Judentum und besonders seine Jugend in der Rückkehr zur Religion einen viel schwierigeren und langwierigeren Weg zurückzulegen haben wird als das Judentum irgendwo in der Welt. Freilich würde auch ein Wiedererwachen der Religiosität hier eine ganz andere Bedeutung haben als irgendwo sonst in der Judenheit der Welt. Gibt es Anzeichen für ein solches Erwachen? Ich glaube wohl, obzwar sie sich viel schwerer greifen lassen als die negativen. Sie sind zum großen Teil Imponderabilien, die ihr großes Gewicht erst gewinnen, wenn man die zionistische Bewegung unter dem Gesichtspunkt des Sinnes der jüdischen Geschichte betrachtet. Die negativen Momente, von denen im ersten Teil gesprochen wurde, sind, obwohl ihre Bedeutung nicht zu unterschätzen ist, doch nur ideologischer Art, berühren also nur die Oberflächenschichten des Bewußtseins. Ihnen stehen wichtige Gründe gegenüber, welche eine optimistische Erwartung rechtfertigen. Es sei zunächst darauf hingewiesen, daß Palästina heute das Zentrum der Wissenschaft des Judentums und der Mittelpunkt des jüdischen Lernens ist. Es hat bedeutende Jeschiwoth, und im Programm der hebräischen Universität nimmt das judaistische Institut den ersten Rang ein. Mehr und mehr konzentrieren sich hier die jüdischen Forschungsinstitute. Nun hat Wissenschaft zunächst nichts mit Religion zu tun. Aber wer weiß, wie wichtig gerade für die jüdische Religiosität das Lernen, die im Lernen verkörperte lebendige Erinnerung der Geschlechter ist, wird diesen Tatsachen eine große religiöse Bedeutung zusprechen müssen. Das entscheidende Geschehen aber, das alle Schichten des Volkes hier umfaßt und das eine religiöse Voraussetzung von überragender Bedeutung ist, ist die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. An sie gibt der Jischuw große Energien hin, Energien der Forschung, der Propaganda, der Selbstüberwindung und des Flei- 349

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