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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 348

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
Die religiöse Situation in Palästina
Date
1934-11-01
Page
348 (sequence 4)
Language
German
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Hugo Bergmann tat zur Voraussetzung. Die Kwuzah ist dagegen in bewußtem Gegensatz zur Familie gegründet worden, die sie als eine zu überwindende Gemeinschaffeform ansieht. Die Kwuzah hat daher die Tendenz, die Verbindung zwischen Eltern und Kindern zu lockern, wenn auch diese Verbindung in gewissen Grenzen respektiert wird. Die Kinder wachsen nicht bei den Eltern auf, sondern im gemeinsamen Kinderhaus, in einer Art Großbetrieb. Diese soziale Form hat wohl ihre Vorteile, sie entlastet insbesondere die Mutter, aber vom Standpunkte der religiösen Erziehung ist sie sicherlich negativ zu werten. Aus den Kreisen der Kwuzah selbst werden z. B. in der Diskussion über den erwähnten Artikel Stimmen laut, daß das Kind durch die Mechanisierung der Erziehung in der Kwuzah in der Entwicklung seiner Gemütskräfte verkrüppelt werde. Selbstverständlich kennt dieses Kind die jüdischen Familienbräuche nicht, und wenn es dann mit ihnen zusammentrifft, erscheinen sie ihm fremd und absonderlich. Es bleibt abzuwarten, wie die jüngst gegründeten religiösen Kwuzoth das Problem lösen werden. Wenn im vorhergehenden die religiöse Problematik der Arbeiterschaft besonders unterstrichen wurde, so geschah dies, weil in der Tat aus den besonderen Bedingungen ihres Lebens heraus diese Problematik in besonderer Schärfe besteht, und dann auch, weil die Arbeiterschaft die führende Schicht des Landes ist. Aber auch in den anderen Gesellschaftskreisen des neuen Jischuw besteht eine Gefährdung des religiösen Lebens für Palästina. Diese hängt mit der Säkularisierung des Judentums zusammen, die sich hier wie nirgends in der Diaspora vollzogen hat. Das Judentum tritt in Palästina zunächst als nationale Lebensform in Erscheinung. Daher hat die Religion für den Ausdruck des Judentums hier keine Bedeutung. Man kann sozusagen ein guter Jude und dabei Atheist sein, weil in Palästina die nationalen Momente überall dort an die Stelle der religiösen treten können, wo eine Manifestation nach außen oder ein Patriotismus nach innen nötig sind. Der hebräisch sprechende Jude fühlt sich in natürlicher Weise mit seinem Volke verbunden und glaubt die Religion entbehren zu können. Die in der Diaspora gemeinschaftsbildende Kraft der Religion wird in Palästina überflüssig. Dazu kommt als wichtigstes Moment, daß in Folge der Verweltlichung des Judentums auch die religiöse Gedankenwelt selbst sozusagen verstummte. Die religiösen Begriffe erhielten eine säkularisierte, politisierte Bedeutung. Begriffe wie Zion, Exil, Erlösung haben in der jüdischen Geschichte zugleich politisch-diesseitige und religiös-jenseitige Bedeutung. Aber wie die Reform das diesseitige Moment vergessen zu machen und die Begriffe zu rein theologischen zu stempeln bemüht war, so neigt der nationale Jude dazu, die theologische Bedeutung zu übersehen oder als falsche Ghettodeutung zu diskreditieren. Der Messianismus wird zu einem 348

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