Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 8 (November 1934)
- Article
- Umschau
- Date
- 1934-11-01
- Page
- 334 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau Samuel Fischer, Felix Goldmann, Carl Neumann, Heinrich Rosin. Es ist, als sei ein großes Sterben über uns gekommen. Und es ist ein Sterben besonderer Art. In jeder scheidenden Persönlichkeit sehen wir zugleich eine Epoche dahinsinken. Jeder einzelne unserer Toten erfüllte mit seinem Wesen einen Lebensbezirk, der sich uns jetzt verschlossen hat. Diese Menschen standen an ihren Plätzen, umbraust von den Stürmen der Gegenwart, — aber sie standen noch. Jeder war ein Zeuge vergangener Zeiten, in denen der Wille des deutschen Judentums zu seiner Umwelt sich in liebendem Dienst hatte verwirklichen dürfen. Aber jeder war, so lange er wirken durfte, auch zugleich lebendiges Beispiel für eine Seite jüdischer Möglichkeiten, die heute oft allzu leichten Herzens preisgegeben wird. Zu der Frage der Unterschiede zwischen einzelnen Weltanschauungsgruppen enthält der Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" vom 16. 10. einen bemerkenswerten Satz: „Der künstliche Trennungsstrich, den man früher . . . zwischen ,deutschjüdischen' Interessen und Palästinainteressen zu ziehen versuchte, ist eine Illusion." Wir sind frei genug von dem Verdacht, die Bedeutung Palästinas auch für das deutsche Judentum zu unterschätzen. Gerade deshalb aber fühlen wir die Pflicht, einer Grenzverwischung auch von dieser Seite her entgegenzutreten. Es geht nicht an, die zionistische Sache so umfassend zu sehen, als ob man in ihr die Interessen aller nichtpalästinensischen Juden gleichzeitig mitverträte: das wird dann doch immer — auch wenn man nicht alle Aufbaubestrebungen kurzerhand mit dem bösen Wort „Liquidation" abtut — „ein bißchen nebenbei" geschehen. Eine wirklich allgemeinjüdische Verantwortlichkeit kann hier mancherlei Bedenken anmelden: gegen zionistische Sonderbestrebungen in der Bildungspflege etwa; noch mehr gegen die Art, wie die ganze jüdische Jugend nicht nur mit magnetischer Kunst auf Palästina gerichtet, sondern auch in Beschäftigungen ausgebildet wird, die nur dort zu verwenden sind, — ohne jede Rücksicht darauf, was aus der größeren Hälfte dieser Jugend werden soll, für die das Land keine Verwendung hat. Wir haben vieles dafür getan, daß der 334