Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 8 (November 1934)
- Article
- Umschau
- Date
- 1934-11-01
- Page
- 333 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MORGEN / MONATSSCHRIFT DER DEUTSCHEN JUDEN BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN, DARMSTADT 10. JAHRGANG NOVEMBER 1334 HEFT 8 Umschau Es ist ein Jahr vergangen, seit Ludwig Ti etz von uns ging. Noch heute ist die Lücke nicht gefüllt, die sein Tod riß, die helle Kraft nicht wiedergekommen, die von ihm ausstrahlte. Kaum zu glauben, wie sehr und von wie verschiedenen Menschen er im Laufe dieses Jahres vermißt worden ist — nicht in den feierlichen Stunden tieferer Besinnung, sondern mitten im Drang der täglichen Arbeit. Und vielleicht müßte er gerade jetzt wiederkehren: wie heiß hätte sein Zorn gekämpft, wo es um die innere Einheitlichkeit der Führung des deutschen Judentums ging, die sein bestes Vermächtnis ist, — welche Blitze seiner scharfen Ironie wären auf die Kämpfe gefallen, die jetzt schon wieder um sie entbrannt sind! Wie fern war er, dem es auch in jeder Kleinarbeit immer um die große Sache ging, von hochmütiger Überschätzung des Organisatorischen ... Es war die gute alte Zeit vor einem Jahr. Aber ein Jahr ist nicht lang genug, sie vergessen zu machen. Wir werden Ludwig Tietz und den Sinn seiner Arbeit auch im nächsten Jahr noch nicht vergessen haben. * Verpflichtendes Gedächtnis der Toten wird dem deutschen Juden durch das Schicksal jeden Tages starker zur Aufgabe gemacht. Im traurigen Zug ziehen die Namen an uns vorüber, die wir in jüngster Vergangenheit in den Totenlisten lasen: Oskar Wassermann, Max v.Wassermann, 333