Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1934)
- Article
- Religiöse Bewegung um uns [Rezension]
- Date
- 1934-09-01
- Page
- 319 (sequence 4)
- Language
- German
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III. Von diesen Gruppen, die ja alle ihren Platz innerhalb der evangelischen Kirche finden wollen, ist die „Deutsche Glaubensbewegung" zu unterscheiden, an deren Spitze Professor Hauer-Tübingen steht. Hier wird um eine religiöse Gemeinschaft gekämpft, die, nach Hauers eigenen Worten (Deutscher Glaube, 2. Heft 1934) allen denen Heimat sein soll, die sich nicht zum Christentum, sondern zu einem deutschen Glauben bekennen: „Wir können in keiner Kirche Heimat haben, die das traditionellle christliche Bekenntnis als unantastbare Grundlage erklärt und das unverkürzte Alte und Neue Testament als die alleinige Richtschnur für Leben und Glauben." Die Form jeglicher Religion wird auf die rassische Bedingtheit des Lebens zurückgeführt: „Welchen Glauben ein Mensch hat, steht nicht in seinem Belieben, sondern wird von seinem biuthaften undseelisch-geistigenSein bestimmt." Ein Referat des Prinzen zur Lippe auf der letzten Tagung des Bundes in Scharzfeld deutet die spezifische religiöse Erlebnisweise des nordischen Menschen: „Für den nordischen Menschen" — so heißt es im Bericht der Bundeszeitschrift (Deutscher Glaube, Heft 6, 1934) — „wird aller Stoff dadurch bedeutsam, daß er das Ausdrucksmittel seiner Seele wird, während der Vorderasiate zwischen „Geist" und „Fleisch" einen unversöhnlichen Gegensatz erlebt. „Erlösung" des Geistes vom Fleisch kennzeichnet den Vorderasiaten. Aber für nordisches Glaubensleben ist es entscheidend, daß man sich bejahend zur Welt, in die man gestellt ist, verhält und in ihr durch hingebende Leistung Werte schafft und nicht aus ihr entflieht, sei es im Sündenbewußtsein zur Erlösungslehre, sei es aus der Verzweiflung am lebendigen Sein ins Kloster. Auch der nordische Mensch kennt ein Schuldgefühl. Aber das Christentum hat es in „Sünde" umgefälscht, um den Menschen erlösungs- und damit der christlichen Kirche bedürftig zu machen. Allein der nordische Mensch sühnt seine Schuld durch Leistung. Erst dann kann er wieder vor seinem Gewissen bestehen. Die Mission ist es gewesen, die den Menschen erst erlösungsbedürftig gemacht hat. Demgegenüber ringen wir heute um einen Glauben, der dem nordischen Menschen artgemäß und eine Selbstverständlichkeit ist." Die Forderungen, die sich aus solcher Haltung ergeben, hat Professor Hauer schon früher folgendermaßen formuliert (Deutscher Glaube, 2. Heft 1934): „Wir fordern, daß der Konfessionszwang in der deutschen Schule ersetzt werde durch eine freie religiöse Führung, die zur Grundlage deutsche Glaubenskunde hat, durch die der junge deutsche Mensch mit dem tiefsten Wesen seines Volkes vertraut werde und die allein den konfessionellen Hader überbrücken kann. — So fordern wir auch, daß auf den deutschen Universitäten, die doch katholische und evangelische Fakultäten haben, Lehrstühle errichtet werden für germanischdeutsche Glaubenskunde, für eine deutsche Theologie im wahrsten Sinne. Durch diese soll die heranwachsende akademische Ju- 319