Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1934)
- Article
- Religiöse Bewegung um uns [Rezension]
- Date
- 1934-09-01
- Page
- 320 (sequence 5)
- Language
- German
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gend herangeführt werden an die reinen Quellen deutschen Glaubens durch Männer, die lebendig von ihm ergriffen sind, die ihre Forschung dazu befähigt. Und da der deutsche Glaube nur eine Phase der indogermanischen Glaubensbewegung ist, fordern wir in Unterricht und Vorlesung die Einführung in die gesamte indogermanische Glaubenswelt . . . Endlich müssen wir das Recht fordern zur Bildung vonGemeinden mit einem Kult, mit Weihen, Feiern und Festen, damit die Gemeinschaftskräfte gestärkt und der deutsche Glaube in gemeinsamem Leben und Schaffen erprobt werde." Arnold Sdiönberg Zum 60. Geburtstag. Für die ältere Generation bedeutet das Aussprechen seines Namens ein Programm; den Jüngsten nennt er die notwendige letzte hohe Schule, die noch vor dem Gesellenstück zu absolvieren ist; der kommenden Geschichtsschreibung wird er als Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert innerhalb der europäischen Musik immer unübergehbar sein. Ursprünglich gehört er zu jenem Kreise junger Wiener Musiker, die mit Alexander von Zemlinsky im Cafe Landtmann Richard Wagner auf den Schild heben, jede Note von ihm kennen, diskutieren und lieben. Man spürt dieses Wagner-Studium noch im Streichsextett „Verklärte Nacht", in dem großen Chorwerk „Die Gurrelieder" nach Jacobsens Zyklus, man spürt es bis zum op. 11. Dieses op. 11 geht zum ersten Male eigenmächtig vom musikalisch erlaubten Wege ab. Es sind 3 Klavierstücke. Als sie 1912 in Berlin gespielt werden, schreibt ein Kritiker: „Mein Herr! Sie tragen mit Ihren antimusikalischen Dreistigkeiten dazu bei, den öffentlichen Kunstgeschmack zu verseuchen. . . . Gegen Leute Ihres Schlages ist nur Selbsthilfe am Platze . . . Bei passender Gelegenheit einige gut funktionierende Hausschlüssel, ein paar von den beliebten Wurfgeschossen und eine kleine Sammlung, um Ihnen die schleunige Rückkehr nach Wien zu ermöglichen." In Wien kommt es zu offenen Prügeleien im Konzertsaal, und Schönberg sieht sich gezwungen, auf die Eintrittskarten zu seinen Konzerten den Vermerk drucken zu lassen: „Der Besitz dieser Karte berechtigt nur zu ruhigem Zuhören, aber zu keiner Meinungsäußerung, weder Applaus noch Zischen." Dem Konzerthörer der großen Welt scheint dieses ruhige Zuhören unmöglich, er versteht Schönberg nicht mehr, gibt sich auch keine Mühe, ihn verstehen zu lernen, bequem und selbstbewußt lacht er ihn einfach aus. Schönberg, verletzt und verkannt, zieht sich von diesem Zuhörer zurück, verzichtet auf ihn und steigert sich selbst in ein einsiedler hartes Musikschaffen hinein, das nur um seiner selbst willen betrieben wird, nur ihm selbst verständlich und den wenigen, die die Gesetze seiner neuen Musiklehre selbst von ihm lernen. Es sind durchaus keine Gesetze, die zerstören, sondern solche, die neue Klangmöglichkeiten mit Hilfe neuer Tonleitern aufbauen wollen. Die Klangkombinationen der Dur- und Moll-Welt scheinen Schönberg durch Wagner erschöpft und keiner Steigerung mehr fähig. Aber — warum soll man Töne nur nach den Geset- 320