Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1934)
- Article
- Religiöse Bewegung um uns [Rezension]
- Date
- 1934-09-01
- Page
- 318 (sequence 3)
- Language
- German
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gende Ausführungen charakteristisch: „Das Bekenntnis ist uns Ausdruck und Schutzwall für das Evangelium. Nur das Festhalten am Bekenntnis bietet eine Sicherung gegen das Abgleiten in unchristliche Strömungen. Wer das Bekenntnis angreift oder gefährdet, zerstört die Kirche. Wo es um das Bekenntnis geht, darf es keinen faulen Frieden, keine Halbheiten und Kompromisse, sondern nur klare Fronten geben. Es genügt nicht, den Grundsatz aufzustellen, das Bekenntnis solle unangetastet bleiben, er muß auch durchgeführt und seine Durchführung gewährleistet werden. Die Bekenntnisse der Kirche sind nicht als tote Museumsstücke zu verehren, sondern als gültige Grundlagen der einzelnen Kirchen anzuerkennen. Die Bekenntnisverpflichtung der theologischen Lehrer und der Pfarrer muß die unerläßliche Voraussetzung für die Berechtigung zum Amte sein. Wer also heute vom Bekenntnis redet, soll offen sagen, welches Bekenntnis er meint, und soll für dessen Kenntnis und Fruchtbarmachung arbeiten; er darf nicht so tun, als hätten wir in einer großen geschichtlichen Stunde für kirchengeschichtliche Altertümer keine Zeit." Die exklusive Haltung der Reformierten kommt in folgender Zitierung zum Ausdruck: „Das, was jetzt unter keinen Um- Umständen geschehen darf, ist dies, daß wir im Eifer für irgend etwas, was wir für eine gute Sache halten, unsere theologische Existenz verlieren. Unsere theologische Existenz ist unsere Existenz in der Kirche, und zwar als berufene Prediger und Lehrer der Kirche. Es gibt in der ganzen Welt keinen dringlicheren Anspruch als den, den das Wort Gottes darauf hat, verkündigt und gehört zu werden; diesem Anspruch muß Genüge getan werden, koste es, was es wolle, und werde aus der Welt und aus der Kirche selbst, was da aus ihnen werden möge. Denn das ist die kräftigste, in allen möglichen Gestalten auftretende Versuchung dieser Zeit: daß wir über der Macht anderer Ansprüche die Intensität und Exklusivität des Anspruchs des göttlichen Wortes nicht mehr verstehen. Es kann immer den Verlust der theologischen Existenz bedeuten, wenn ein Theologe Politiker oder Kirchenpolitiker wird. Auch eine zunächst die äußere Gestalt betreffende Kirchen r e f o r m muß aus der inneren Notwendigkeit des Lebens der Kirche selbst, sie muß aus dem Gehorsam gegen das Wort Gottes hervorgehoben, oder sie ist keine Kirchen reform. Die „Gleichschaltung" der Kirche mit dem Staate aus Rücksicht auf die nationale Revolution ist aber keine kirchliche Reform, sondern Untreue der Kirche gegen sich selbst." Mit Recht weist Pribilla darauf hin, daß ein endgültiges Urteil über den Ausgang des religiösen Ringens innerhalb der protestantischen Kirche im gegenwärtigen Zeitpunkt schwerlich gefällt werden kann. Alles ist noch im Fluß und jeder Tag kann das Bild der Lage ändern und umgestalten. Ohne Zweifel handelt es sich aber in all diesen Auseinandersetzungen nicht um müßiges „Theologengezänk", sondern „es sind sehr ernste, bis in die Tiefe der christlichen Überzeugung hinab reichende Fragen, um die heute im deutschen Protestantismus gerungen wird." 318