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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 312

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Zwiesprache mit Martin Buber
Date
1934-09-01
Page
312 (sequence 2)
Language
German
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Ernst Simon Land führen uns Gedanke und Tat, wenn auch Standort und Horizont nicht von uns selbst erzeugt, sondern geschaffene Welt sind. In diese Situation hinein spricht Martin Buber, weil er aus ihr heraus spricht. Eine volle Antwort will er nicht geben. Aber er läßt fühlen, daß er auf die wahre Antwort zu lebt. Er vermittelt ihre Bruchstücke durch „Beschreibung", „Begrenzung" und „Bewährung", welche drei sich zur Einheit dieser Zwiesprache zusammenschließen. Das — mehr als technische — Mittel seines Vortrags ist insbesondere das Beispiel, sowohl fremden wie auch vor allem des eigenen Lebens. Rückschauend auf sein Werk, erhellt sich uns nun zu letzter Gewißheit, warum er in langen früheren Jahren das Eigene immer wieder in den Geschichten der chassidischen Meister „geheimnisvoll offenbarte": was sich der Sprache des Begriffes — für immer oder noch — entzieht, läßt sich im Beispiel schon sagen. In „Ich und Du" (1923) war Buber wohl schon weiter in die Sphäre der Begriffswelt eingedrungen: der damals vollzogene Austritt aus der mystischen Identifizierung mit dem großen Gegenüber erforderte das; denn Mystik ist, eben als Identifizierung, stets auch begrifflicher „Identitätspliilosophie" bedenklich nahe und verlangt von dem, der den ekstatisch belebten, aber streng logisch gezirkelten Zaubergarten ihres Systems heil verläßt, eben auch logisch-begriffliche Überwindung. Nun steht er draußen, in der Welt der Zwiesprache mit dem Du, wieder, und wieder noch, im Bereich des Gleichnisses. II. Es beginnt mit der „Urerinnerung" an den Traum vom Doppelruf. In die primitive Welt einer großen Höhle tönt Antwort auf den Liedruf des Träumenden selbst, in Jahren wiederholt, bis sie einmal ausblieb: als sie nämlich erwartet wurde. Da aber war die Antwort schon vor dem Rufe da, und nun kommt der Traum nicht wieder. Oder: Es sitzen zwei Männer nebeneinander auf einer einsamen Bank. Sie kennen sich nicht, und sie denken nicht aneinander. Plötzlich aber öffnet sich, wortlos, die Verschlossenheit des einen der Offenheit des anderen: im Schweigen teilen sie einander mit. Ostern 191/1 treffen sich einige europäische Männer, um über die noch l>estchenden Friedensmöglichkeiten zu beraten. Jemand protestiert gegen eine zu starke Beteiligung von Juden an dem zu schaffenden internatic~ nalen Kreise. Buber — so sehr er von der Kraft dieses Bedenkens weiß — protestiert, hartnäckiger Jude, gegen den Protest, und sagt dem Gegner über Jesus, auf den das Gespräch kommt, daß er diesen kenne (der Jude den Juden), „auf eine Weise, die Ihnen unzugänglich bleibt". Der andere, früherer Pfarrer, steht ihm gegenüber, sagt: „Es ist versunken", und sie geben einander vor allen den Bruderkuß. Den Beispielen — es ist ein jüdisches Buch — folgl der Kommentar. Das Bündnis der beiden Menschen löscht ihre Glaubensverschiedenheit nicht aus. Aber es ist jenseits ihrer möglich geworden, in dieser Geschichtszeit, in der kein gläubiger Mensch, auch und gerade der Glaubensstarke nicht, 312

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