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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Ismar Elbogen zum 60. Geburtstag
Date
1934-09-01
Page
272 (sequence 2)
Language
German
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Emanuel bin Gorion schaft leben, heißt nicht für den Tag, sondern für die Ewigkeit leben. Tausend Gefahren haben in der Vergangenheit unsern Stamm bedroht, aber wir leben, weil Gott will, daß wir leben." Die Wissenschaft wird zum Instrument der Seelsorge, forschende Theologie zur praktischen. In ruhigen Zeitläuften ist der Ehrentag allein der Rückschau gewidmet, heute genügt uns die geruhsame Betrachtung nicht mehr. Und doch wird man auf die Stationen der Laufbahn dieses Gelehrten hinweisen dürfen, auf seine erste Lehrtätigkeit in Florenz und eine Unterbrechung der langjährigen Berliner Wirksamkeit zu Gastvorlesungen in New York: die jüdische Wissenschaft, die einst aus dem deutschen Judentum hervorging, wird immer wieder von diesem gespeist. — Die erste Forschergeneration, die sich für uns vor allem in Geiger und Zunz verkörpert, hat das Neuland erschlossen: jede Arbeit war hier Pionierarbeit und vermittelte Erkenntnis, es kam weniger auf Ordnung und Einteilung an. Den nach ihnen kommenden Gelehrten blieb es vorbehalten, systematisch die Gebiete auszugestalten. Das wissenschaftliche Hauptwerk Elbogens, „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", gründet in den Arbeiten von Zunz, führt — auf ein reicheres Material gestützt — die kritische Untersuchung von neuem durch und weiter fort; dank der Gliederung des Stoffes und der Begrenzung auf das besondere Thema ist es zugleich ein Lehrbuch. Von Elbogens kleineren Arbeiten hat der kurze Abriß der jüdischen Exilsgeschichte („Geschichte der Juden seit dem Untergang des jüdischen Staates") besondere Popularität erlangt: eine übersichtliche Darstellung, die zugleich die knappste ist und sich als geeignete Einführung auch für Laien und Fremde erwiesen hat. An der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin wirkt er seit zweiunddreißig Jahren in erster Reihe als Dozent für das Fach der Geschichte und hat sich, auch in den Kreisen der nichtjüdischen Wissenschaft, den Ruf der Autorität errungen. Indessen, diese Leistung und dieses Verdienst, sie haben heute, über den objektiven Wert hinaus, noch eine andere Bedeutung. Wir fragen nicht nur nach der genetischen Entwicklung von Glauben und Stamm, weil die Vergangenheit als Vergangenheit uns interessiert oder weil sie ein wichtiger Bestandteil auch der Menschheitsgeschichte ist, sondern weil sie uns unsere heutige Existenz begründen und erklären soll. Gerade diese Aktualisierung und scheinbar tendenziöse Färbung macht die Wissenschaft erst richtig frei von jeder Nebenabsicht und bewußter Parteinahme. Denn es geht jetzt nicht darum, sich gegen Anfeindungen zu wehren, sondern die eigenen Reihen zu stärken; nicht zu polemisieren oder Apologie zu treiben, sondern allein die nackte Realität, die ihre Daseinsberechtigung in sich selber trägt, darzulegen mit allem Licht und allem Schatten. Wenn Elbogen heute eine „Geschichte der 272

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