Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 5 (August 1934)
- Article
- Deutsche Juden in Palästina [Rezension]
- Date
- 1934-08-01
- Page
- 236 (sequence 2)
- Language
- German
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wie z. B. schönen Möbeln oder Klavieren, gar nicht geübt und beschädigt sie daher leicht beim Tragen, zum Ärger und Kummer des Eigentümers. Die drei taten sieh also zusammen, kauften mit dem Reste ihrer Groschen gemeinsam einen Motorlastwagen und wurden Transportunternehmer. Sie sind Inhaber der Firma und gleichzeitig selbst Lastträger. Für den Lastwagen reichte es kaum zu einer Anzahlung, den Rest nahmen sie auf Kredit, um ihn später in Raten abzuzahlen. Aber ein „Büro" mit Telefon haben sie sich doch eingerichtet, eine Schreibmaschine hingestellt und eine Stenotypistin dazugesetzt, alles nach „europäischer" Art Sie hatten rasch Erfolg; heute arbeiten in ihrem Büro zwölf Angestellte, aber den Transport der Lasten führen sie immernoch selbst aus, weil es in Tel-Aviv leichter und billiger ist, einen Buchhalter und Büroangestellten als einen Lastträger zu finden, und weil es unmöglich ist, sich auf einfache Lastträger zu verlassen, da die Arbeit besondere Vorsicht und Übung erfordert. Eine Menge von Anekdoten wird über die Eigentümer dieser Firma, die inzwischen berühmt und populär wurden, erzählt Einmal hatten sie ein schweres Klavier in die höchste Etage eines Hauses hinaufzubringen. Als sie die zweite Etage erreicht hatten, ruhten sie ein wenig aus. Einer von ihnen öffnete das Klavier und begann darauf Stücke berühmter Musiker zu spielen. Die Einwohner des Hauses und die Nachbarn kamen überrascht herbeigelaufen, denn der Mann war auch ein wunderbarer Musiker . . . Geschichten dieser Art, zwischen Tatsache und Märchen, aber sicherlich nie ohne einen Hintergrund, kann man in Tel-Aviv vielfach erzählt bekommen. Das zeigt bloß den guten Ruf, den die deutschen Einwanderer in Tel-Aviv durch ihre praktischen Eigenschaften und ihre Anpassungsfähigkeit erworben haben. Das sind die Lichtseiten der deutschen Alijah. Es gibt aber auch Schattenseiten. Gewisse Kategorien der deutschen Juden, besonders deren Frauen und Töchter, haben nach Tel-Aviv etwas von der europäischen Häßlichkeit und Fäulnis mitgebracht: Putz- und Vergnügungssucht, Sittenverderbnis und Leichtsinn, unmäßige Verschwendungssucht und Unmoral, die hier wie überall Früchte der Langeweile und des Nichtstuns sind. Man muß hinzufügen, daß diese Krankheitserscheinungen teilweise auch vor der deutschen Alijah hervortraten, und zwar bei den gleichen Ständen unter den Einwanderern aus andern Ländern, besonders aus Polen. Jetzt wurde dieses Lager größer und ansehnlicher. Und noch eine andere Krankheitserscheinung trat hervor: weite Kreise unter den deutschen Einwanderern haben es noch nicht fertig gebracht, sich an die hebräische Kultur Palästinas zu assimilieren. Sie zeigen auch keinen Willen dazu. Palästina ist für diese Leute eine Art Kalifornien, ein Platz, wo man sich materiell bereichern kann, oder ein provisorischer Zufluchtsort. Sie verwerfen frech und übermütig jede Angelegenheit des „nationalen Heims", verhöhnen die hebräische Sprache, sprechen deutsch nicht aus innerem Zwang heraus, sondern oft einfach herausfordernd. Aus diesen Kreisen stammen meist diejenigen, 236