Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 5 (August 1934)
- Article
- Deutsche Juden in Palästina [Rezension]
- Date
- 1934-08-01
- Page
- 235 (sequence 1)
- Language
- German
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Presseschau: Deutsche Juden in Palästina In der Juni-Nummer der in London erscheinenden hebräischen Wochenschrift „Haolam" gibt der Herausgeber Mosche Kleinmann interessante Schilderungen des heutigen Lebens in Palästina. Wir entnehmen ihr, mit einigen Kürzungen, eine Skizze der deutschen Einwanderung in Tel-Aviv: „. . Wie wurde die deutsche Einwanderung durch den alteingesessenen Tel-Aviver aufgenommen? Wie sind die Beziehungen zwischen den Neuangekommenen und den Alteingesessenen? Was machen die Deutschen in Tel-Aviv? Zur Beantwortung der letzten Frage: Die deutschen Einwanderer in Tel-Aviv wandten sich in ihrer Minorität den grundlegenden wirtschaftlichen Schöpfungen zu, wie Industrie und Handwerk, Häuserbau, Bankwesen und Landwirtschaft. Die meisten griffen nach Ernährungszweigen, welche zwischen den Produzenten und Konsumenten hegen, von denen heute niemand mehr glauben soll, daß sie auf der Welt überflüssig sind und keine positiven Werte für die nationale Wirtschaft haben. Viele von ihnen eröffneten Lebensmittelgeschäfte oder andere dem Tagesgebrauch dienende Geschäfte, z. B. für Herren- und Damenkonfektion, für Galanteriewaren oder für Schmuck und Kosmetik, Apotheken und Drogerien, Restaurationen und Kaffeehäuser. Sie gründeten auch Werkstätten, Transportunternehmungen für Waren und Lasten, eröffneten Agenturen für Export und Import, für Zeitungsverbreitung und Armoncenwerbung nach europäischem Muster. Das ist allen gemeinsam: sie führten in diesen Beschäftigungszweigen Verschönerungen und Verbesserungen und europäische Ordnung und Formen ein. Sie erneuerten das Gesicht von Tel - Aviv und machten aus einem polnischen oder litauischen Provinzort eine europäische Stadt. Sie brachten kaufmännischen Geist und Scharfsinn, Fleiß und Methode in den Geschäftsbetrieb und steigerten das Lebenstempo. Was Tel- Aviv an Schönheit und Pracht in seinen Läden, Fleiß und Geschicklichkeit in seinem Handels- und Wirtschaftsleben, „Amerikanismus" in seinem Lebenspuls besitzt, — das meiste ist von den deutschen Juden gekommen. Die deutschen Juden zeigten großartige Beispiele der Anpassungsfähigkeit und der Umschichtung. Einen Mann, der in Berlin Arzt oder Rechtsanwalt war, kann man hier in einer Wäscherei arbeiten sehen, als Kellner, Hotelportier, Milchmann, Butter-, Gemüse- und Eierhändler, man kann ihm aber auch in einer winzigen Verkaufsbude an der Straßenecke oder als einfachem Lastträger begegnen. Man erzählt von drei jungen Leuten, die der besten Gesellschaft Berüns angehörten: einer war Rechtsanwalt, der zu prosperieren begann, der zweite Regierungsbeamter, und der dritte bekleidete eine Stellung in einer großen Handelsgesellschaft. Sie kamen nach Tel-Aviv ohne jede Idee, mit leerer Börse, suchten hin und her und sahen, daß Tel-Aviv kein geordnetes Transportwesen hatte. Der Tel-Aviver-Gelegenheitsträger ist im Tragen von kostbaren Lasten, 235