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Der Morgen · 1934-08-01 · Heft 5 (August 1934) · p. 223

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 5 (August 1934)
Article
Die Sendung des Heils
Date
1934-08-01
Page
223 (sequence 4)
Language
German
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Die Sendung des Heils sie immer um sich zu haben; denn er wußte nun, daß er sie liebte. Einmal, als er ihr auf dem Vorplatz des Hauses begegnete, ergriff er Leas Hand. Mit ernstem Blick sah sie zu dem Rabbi auf. Und als dieser sie fragte, ob sie bereit sei, sein Weib zu werden, nickte sie und beugte sich über seine Hand. Er aber küßte ihre weiße Stirn. Also ward das Verlöbnis geschlossen. Zwar hatte Rahel, Rabbi Amrams Mutter, anfangs Bedenken gegen diese Verbindung, war doch Lea eine Magd nur und von geringem Stande. Da sie aber die guten Eigenschaften des Mädchens täglich von neuem erkannte, und da es an Schönheit alle Töchter des Ortes und des Umkreises übertraf, willigte sie schließlich ein. Die Hochzeit wurde mit großem Gepränge gefeiert. Eine Woche lang saß Arm und Reich am Tische des Rabbi bei gastlichen Mählern. Die Bettler erhielten neue Gewänder, Wein, Speise und Geld. Der ganze Ort nahm an dem Jubel teil, und niemand konnte sich erinnern, je ein schöneres Paar gesehen zu haben. Die Ehe Rabbi Amrams mit Lea, der einstigen Magd, war überaus glücklich. Jetzt erst hatte sein Leben einen Schwerpunkt erhalten; nichts mehr zog ihn ab von der Hingabe an seinen heiligen Beruf, sein Wissen wuchs, er drang in die tiefsten Erkenntnisse der Schrift, sein Name war in höherem Maße denn je im Munde aller seiner Zeitgenossen. Von weither kamen sie, in schwierigen Streitfällen seinen Rechtsspruch einzuholen, und seine Entscheidungen waren getragen von einzigartiger Weisheit und Milde zugleich. Sein Haus war eine stets bereitgehaltene Stätte für Arme und Wißbegierige, die Zahl seiner Schüler wuchs von Tag zu Tag. Sein Haus verströmte geradezu den Segen, und ungezählt waren jene, die seiner teilhaftig werden durften. Lea erwies sich als seiner ebenbürtig. Ihre Fürsorge und Güte ward von jedermann gelobt. Es gab kein Haus, in dem ein Kranker lag, das sie nicht aufsuchte, keinen Armen, dem sie nicht mit eigener Hand beistand, keine bedürftige Wöchnerin, bei der sie nicht in der schweren Stunde tröstend verharrte. Dabei wuchs die Arbeit im Hause von Tag zu Tag. Stets mehrten sich die Gäste, immer größer wurden die Tische, immer zahlreicher die Betten derer, die im Rabbihause gastliche Aufnahme suchten. Im zweiten Jahr ihrer Ehe gebar Lea einen Knaben, den sie Ruhen nannten. Und wieder feierte die ganze Stadt und alle Fremden, die das Haus des Rabbi barg, mit den jungen Eltern, da der Knabe aufgenommen wurde in den Bund der Väter, wie das Gesetz es vorschreibt. Segen und Glück stand über dem Hause des Rabbi wie ein gütiger Stern des Ewigen. 223

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