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Der Morgen · 1934-08-01 · Heft 5 (August 1934) · p. 221

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 5 (August 1934)
Article
Die Sendung des Heils
Date
1934-08-01
Page
221 (sequence 2)
Language
German
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Die Sendung des Heils nicht nochmals schwach würde, klemmte er seinen Fuß zwischen die Leitersprossen und schrie, daß man es weithin hören konnte: „Feuer, Feuer! Es brennt in meinem Hause!" Da liefen die Leute zusammen, und die Frommen des Ortes drangen in das Haus Rabbi Amrams ein. Sie sahen aber keine Flammen, sondern nur den Rabbi, eingeklemmt in der Leiter. Als sie ihn befreit hatten, sagten sie zu ihm: „Warum hast du uns so beschämt, daß wir dich bei einer Sünde betrafen?" Der Rabbi antwortete: „Es ist besser, auf dem Wege zur Sünde als in der Sünde selbst betroffen zu werden." Darauf beschwor Rabbi Amram nochmals den bösen Trieb, der ihn ergriffen hatte, und befahl ihm, aus seinem Körper zu weichen. Es fuhr eine Flamme aus ihm, die aufloderte und die allein er nur sehen konnte, die anderen aber nicht. Die Flamme bekam Umrisse, erhärtete sich, und vor ihm stand Samael, der auch . der Todesengel ist. Furchtbar war sein Anblick: Sein Haupt war voll ungezählten Augen, die einen verzehrenden Glanz hatten, in den Händen hielt er ein Schwert, an dessen Spitze ein Galletropfen hing. Aus Zorn, daß sein Anschlag mißlungen war, schleuderte Samael dem Rabbi den Galletropfen, den Todeskeim, entgegen. Rabbi Amram aber fing den Tropfen mit den Händen auf, warf ihn zurück und sagte: „Du kannst mir nichts tun, Böser, denn obwohl du Feuer bist und ich nur Fleisch, bin ich mehr als du. Hebe dich hinweg, Samael!" Da schwand die furchtbare Erscheinung, und Rabbi Amram glaubte sich gerettet. * Zwange nachdem die gefangenen Frauen fortgeschafft waren, als niemand mehr von der Geschichte mit der Leiter sprach, hatte Rabbi Amram einen Traum. Er glaubte, daß eine Gestalt sich ihm nahe. Er lag auf seinem Bett und wollte sie fortscheuchen. Sie aber wurde plötzlich Wesen, riß einen Schleier von sich, und Rabbi Amram erkannte in ihr Lilith, die Gefährtin Samaels. Und er sah, daß ihr Gesicht das gleiche war wie jenes, das ihn damals vom Dachboden herab bezaubert hatte. Er wollte sein Haupt verhüllen, um nichts zu sehen, aber er war gebannt und konnte sich nicht rühren. Da neigte sich Lilith über ihn, und der Fromme ward betäubt von dem Duft ihres sündhaften Leibes. Und wieder war das Zittern in seinen Handgelenken, und die süße Woge überwältigte ihn. Da schrie der Rabbi auf, aber Lilith verschloß seinen Mund mit ihrem Munde und verbrachte die Nacht liebend bei ihm. Als der Rabbi erwachte und gewahr wurde, daß alles nur ein Traum gewesen, schlief er sechs Nächte nicht und fastete sechs 221

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